Die trans Schwimmerin Lia Thomas verliert mehrere ihrer offiziellen Schwimmrekorde an der University of Pennsylvania (UPenn). Die Universität hat sich in einem formellen Abkommen mit dem US-Bildungsministerium unter Präsident Donald Trump verpflichtet, trans Athletinnen von Frauenbewerben auszuschließen und Rekorde rückwirkend an cisgender Athletinnen zurückzugeben.
Am 1. Juli teilte das Ministerium mit, UPenn habe einem sogenannten „Resolution Agreement“ zugestimmt, um angebliche Verstöße gegen ein Gesetz auszuräumen, das Schüler:innen und Studierende vor Diskriminierung aufgrund des Geschlechts schützt – Trump legt es ausschließlich biologisch aus.
Teilnahme nur noch nach Geburtsgeschlecht
Konkret verpflichtet sich UPenn, künftig nur noch das bei Geburt zugewiesene Geschlecht für die Teilnahme an Sportbewerben heranzuziehen. Trans Frauen werden damit aus dem Frauensport ausgeschlossen – auch wenn sie, wie Lia Thomas, eine medizinisch dokumentierte Transition durchlaufen haben.
„UPenn hat zugestimmt, für vergangene Verstöße um Entschuldigung zu bitten und sicherzustellen, dass Frauenbewerbe in Zukunft geschützt sind“, erklärte Bildungsministerin Linda McMahon. Man spreche den cisgender Athletinnen die Titel und Rekorde zu, die „von männlichen Athleten missbräuchlich übernommen worden“ seien.
Die Trump-Regierung hatte bereits im März 2025 angekündigt, UPenn Bundesmittel in Höhe von 175 Millionen Dollar zu entziehen, falls keine Regelanpassung erfolge. Das Abkommen beendet eine entsprechende Untersuchung.
Lia Thomas nicht mehr in Bestenlisten – Entschuldigungen angekündigt
Thomas‘ Rekorde aus der Saison 2021/22 über 100, 200 und 500 Meter Freistil wurden aus der offiziellen Bestenliste gestrichen. Ihr Name ist nur noch in der 4×100-Meter-Freistilstaffel verzeichnet. Am Ende der Liste findet sich nun der Vermerk, dass die gelöschten Zeiten „unter den damals gültigen Regeln“ erzielt wurden.
UPenn kündigte außerdem an, sich in persönlichen Schreiben bei jenen Sportlerinnen zu entschuldigen, die sich durch Thomas’ Teilnahme benachteiligt fühlten.
Universität: Regeln damals konform – aber nicht für alle fair
In einer offiziellen Erklärung betont UPenn, dass die Teilnahme von Lia Thomas im Einklang mit den damaligen NCAA-Regularien stand. Dennoch erkenne man heute an, „dass einige Athletinnen sich dadurch benachteiligt oder psychisch belastet fühlten“, heißt es. Man bedaure das und wolle mit dem Abkommen Rechtssicherheit schaffen.
Lia Thomas selbst hat sich zu der Maßnahme bisher nicht geäußert. Bereits im April erklärte sie bei einem Jugendforum jedoch: „Ich werde weiter kämpfen, so gut ich kann. Um die Schlachten zu schlagen, die wir schlagen müssen, müssen wir zusammenhalten und uns gegenseitig unterstützen“
Kritik von Menschenrechtsorganisationen
Die US-Bürgerrechtsorganisation Human Rights Campaign (HRC) reagierte mit scharfer Kritik. Sprecher Brandon Wolf erklärte: „Die Regierung nutzt trans Jugendliche als politische Zielscheibe. Statt alle Schüler:innen zu unterstützen, wird hier gezielt Angst geschürt und Diskriminierung institutionell abgesichert.“
Lia Thomas war 2022 zur ersten trans Frau geworden, die einen NCAA-Meistertitel gewann. Sie hatte vor ihrer Transition im Männerteam von UPenn geschwommen und war nach hormoneller Behandlung ins Frauenteam gewechselt. Ihre Teilnahme führte zu intensiven politischen Debatten – vor allem von konservativer Seite.
Internationale Sportverbände ziehen nach
Im internationalen Sport gelten seit 2022 schärfere Ausschlussregeln für trans Athletinnen. Der Weltverband World Aquatics etwa erlaubt nur Frauenstarts, wenn die Transition vor Beginn der männlichen Pubertät abgeschlossen war.
Lia Thomas’ Versuch, vor dem Internationalen Sportgerichtshof gegen solche Regeln zu klagen, scheiterte 2024. Auch auf College-Ebene ist die Zahl der trans Sportler:innen überschaubar – laut NCAA handelt es sich um rund zehn bekannte Fälle.

