Beim diesjährigen Pride Walk in Basel kam es am Samstag zu einem mutmaßlich queerfeindlichen Übergriff. Der 21-jährige Flavio Miletta führte mit einer acht Meter langen Regenbogenschleppe den Demonstrationszug „Basel tickt bunt“ an, als er am Claraplatz von einem unbekannten Mann angegriffen wurde. Der Angreifer soll Miletta beleidigt, bespuckt und eine brennende Zigarette auf sein Outfit geworfen haben.
Ein Brand konnte verhindert werden, jedoch zeigt sich der Betroffene tief enttäuscht vom Verhalten der Polizei. „Ich wurde bespuckt und beleidigt, und die Polizei sagte, sie könne nichts machen“, schilderte Miletta gegenüber mehreren Medien.
„Sie standen daneben und taten nichts“
Der Angriff ereignete sich kurz nach 16:45 Uhr, als die Parade wegen des Straßenbahnverkehrs pausierte. Laut Miletta standen mehrere Polizeikräfte in unmittelbarer Nähe. Auch seine Partnerin bestätigte, dass der Vorfall in Sicht- und Hörweite der Polizei geschah: „Der Täter saß nach dem Angriff untätig auf dem Boden, doch keiner der vier anwesenden Polizisten griff ein“, schreibt sie in einem Beschwerdebrief an die Kantonsregierung.
Der Brief liegt unter anderem der Redaktion von 20 Minuten vor. Darin wird betont, dass es mehrere Augenzeugen gebe, darunter auch Mitglieder des Awareness-Teams, das die Parade begleitete.
Polizei weist Vorwürfe zurück
Die Kantonspolizei Basel-Stadt bestreitet, dass es einen aus ihrer Sicht relevanten Vorfall gegeben habe. Eine Sicherheitsassistentin sei von einer aufgebrachten Person informiert worden, habe jedoch nichts beobachtet. Daraufhin sei eine Polizeipatrouille an den Ort geschickt worden, diese habe jedoch keine Situation vorgefunden, die ein Eingreifen erforderlich gemacht hätte. Auch sei niemand vor Ort gewesen, der den Vorfall habe bestätigen oder anzeigen wollen.
„Selbstverständlich steht es der betroffenen Person jederzeit offen, auf einem Polizeiposten Anzeige zu erstatten“, erklärte Polizeisprecher Rooven Brucker. Inzwischen sei eine entsprechende Anzeige bei der Polizei eingegangen, bestätigte ein weiterer Sprecher.
Veranstalter kündigen Aufarbeitung an
Das Organisationskomitee von „Basel tickt bunt“ nimmt den Vorfall ernst. „Wir nehmen die Polizei als beschützende Instanz wahr. Da dies im vorliegenden Fall nicht zutraf, werden wir mit der Polizei in den Dialog treten“, sagte OK-Mitglied Lukas Tobler gegenüber mehreren Medien. Auch intern werde der Vorfall derzeit aufgearbeitet. Von weiteren Übergriffen am Veranstaltungstag sei nichts bekannt geworden.
Tobler selbst wurde am Rande der Parade verbal angefeindet. „Es ist einfach Realität, dass queere Menschen im Alltag Anfeindungen erleben“, sagte er. Positiv sei jedoch die generelle Stimmung während der Parade gewesen, an der rund 3000 Personen teilnahmen.
Flavio Miletta: „Ich will, dass man hinschaut“
Für Flavio Miletta war es nicht der erste derartige Vorfall. Bereits an der Zurich Pride sei er beschimpft worden, ohne dass die Polizei reagiert habe. „Früher wurden wir einfach beleidigt, jetzt werden wir bespuckt. Was kommt als Nächstes?“, fragte er im Gespräch mit Medien. Obwohl er den Walk zu Ende lief, blieb seine Stimmung am Boden: „Ich wollte mir den Tag nicht verderben lassen, aber Freude hatte ich keine mehr.“
Er hofft nun auf eine öffentliche Aufarbeitung. „Ich will kein Mitleid“, sagt Miletta, „aber ich will, dass die Leute wissen, was wir täglich erleben müssen.“

