Die katholische Kirche wird weiterhin unter bestimmten Bedingungen die Segnung homosexueller Paare erlauben. Das bekräftigte Kardinal Victor Manuel Fernandez, der Präfekt des vatikanischen Glaubensdikasteriums, bei einem Medienauftritt in Rom. Die umstrittene Erklärung „Fiducia Supplicans“, die im Dezember 2023 veröffentlicht wurde, bleibe gültig, so Fernandez. Eine Rücknahme oder Änderung der Richtlinie stehe nicht zur Debatte.
Kardinal ist sich sicher, dass sich nichts ändern wird
„Ich glaube nicht, dass die Erklärung verschwinden wird. Sie wird bleiben“, sagte der Kardinal laut der italienischen Tageszeitung Il Messaggero. Die Aussage erfolgte am Rande einer Pressekonferenz im Vatikan. Fernandez betonte, dass das Dokument auch unter Papst Leo XIV. in Kraft bleibe und kein Bestandteil der kirchlichen Lehre gestrichen werde.
Besonders heftige Reaktionen hatte „Fiducia Supplicans“ auf dem afrikanischen Kontinent ausgelöst. Dort sprach sich die Mehrheit der Bischofskonferenzen gegen die Anwendung der neuen pastoralen Praxis aus. Auf Vermittlung von Kardinal Fridolin Ambongo, dem Vorsitzenden des kontinentalen Bischofsrats SECAM, wurde eine Sonderregelung erreicht. Afrikanische Diözesen dürfen demnach auf die Umsetzung der Regelung verzichten.
Kritik aus Afrika hält an
Ambongo äußerte sich am Dienstag erneut zu der Debatte: „Für uns in Afrika stellt das Leben die eigentliche Priorität dar – nicht Fragen der Sexualität. Themen wie Homosexualität sind eher für Europa von Bedeutung“, sagte der Erzbischof von Kinshasa im Vatikan. Gleichzeitig stellte er klar, dass die Haltung der afrikanischen Bischöfe nicht als Einzelfall zu werten sei: „Auch viele europäische Bischofskonferenzen haben ähnliche Bedenken geäußert.“
Der Kardinal aus der Demokratischen Republik Kongo betonte zudem, dass es nicht um Ausgrenzung gehe. „Wir respektieren homosexuelle Menschen. Ich glaube nicht, dass die Kriminalisierung von Homosexualität, wie etwa in Uganda, eine gute Sache ist“, sagte Ambongo. Dennoch blieben für ihn theologische und moralische Fragen offen.
„Solange die kirchliche Lehre sich nicht ändert – und sie hat sich bisher nicht geändert – bleibt das Problem bestehen“, erklärte Ambongo weiter. Er verwies auf das grundlegende Spannungsfeld zwischen pastoraler Praxis und kirchlicher Doktrin.
Mehr Beteiligung aller Kardinäle in wichtigen Fragen
Nach dem Konklave, das zur Wahl von Papst Leo XIV. führte, gebe es ein klares Signal für mehr Beteiligung innerhalb der Kirche, so Ambongo. Bisher habe ein kleiner Kreis von neun Kardinälen – der sogenannte C9 – den Papst beraten. Künftig werde es laut Ambongo jährliche kollegiale Treffen aller Kardinäle geben.
Ambongo äußerte zudem die Hoffnung, dass der neue Papst Afrika bald besuchen werde. „In diesem Jahr wird es wohl nicht möglich sein, aber vielleicht nächstes Jahr. Er kennt unseren Kontinent gut – er war bereits mindestens zweimal in meiner Diözese in Kinshasa.“

