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Vier Mütter und ein Halleluja: Eine queere Komödie über Liebe, Lasten und Latte Macchiato

Ein fast perfekter Film aus Irland mit jeder Menge Herz, Hirn und Humor – und einem queeren Selbstverständnis, das wohltuender kaum sein könnte.

Wenn vier ältere Damen gemeinsam ein Wohnzimmer in Beschlag nehmen, der Hausherr dabei ein schwuler, überforderter Autor mit Mutterschatten ist, und das Ganze nicht in einer Netflix-Serie, sondern auf der Kinoleinwand stattfindet, dann spricht einiges dafür, dass man es mit einem kleinen filmischen Juwel zu tun hat.

„Vier Mütter für Edward“ von Darren und Colin Thornton ist genau das: ein hintersinniges, herrlich warmherziges Kammerspiel über Fürsorge, Freiheitsdrang und familiäre Verstrickungen – queer, aber ohne Regenbogenkonfetti.

Das Setting: Edward in der Sandwichposition

Edward, famos gespielt von James McArdle, lebt ein Leben, das so bequem sein könnte: ein gepflegtes Stadthaus in Dublin, literarischer Erfolg zum Greifen nah, eine kleine, feine schwule Wahlfamilie – was will man mehr? Nun ja, vielleicht etwas weniger emotionale Erpressung in Form einer kränkelnden Mutter, die sich in seinem Gästezimmer einnistet und dort mit der Anmut einer Operndiva residiert.

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Doch damit nicht genug: Als Edwards schwule Freunde zur Maspalomas Pride aufbrechen, bitten sie ihn, auch deren Mütter für ein Wochenende zu beherbergen. Und plötzlich gleicht das Haus einem sehr britischen Seniorinnen-Camp mit Hang zur Küchenpsychologie.

Vier Mütter, vier Temperamente – und kein Ausweg

Die vier Damen – gespielt von einer brillanten Riege irischer Charakterdarstellerinnen – sind keine Karikaturen, sondern gelebte Persönlichkeiten mit Ecken, Kanten und teils sehr schrägen Vorlieben.

Da gibt’s die mürrische Mary mit latentem Kontrollfimmel, die tiefenentspannte Joan, die kluge, aber wortkarge Kathleen und natürlich Edwards eigene Mutter Alma – eine resolute Matriarchin mit Glocke, Tablet und einem unerschütterlichen Glauben an ihr moralisches Recht. Was als nette Wochenendhilfe beginnt, wird für Edward zur Generalprobe seiner seelischen Resilienz.

Queerness im Subtext – aber mit Haltung

Was diesen Film für eine queere Zuschauerschaft besonders reizvoll macht: Er setzt nicht auf laute Coming-out-Dramen oder schrille Drag-Einlagen, sondern lässt queeres Leben einfach da sein – selbstverständlich, liebevoll, unaufgeregt. Edwards Homosexualität ist weder Aufreger noch Plotmotor, sondern selbstverständlich eingebunden in die Erzählung.

Seine Beziehung zu seinen Freunden, seine Ex-Liebe, seine Rolle als emotionale Anlaufstelle: Alles trägt leise, aber klar queere Handschrift. Es ist eine Wohltat, einmal nicht die Sexualität erklären zu müssen, sondern sie einfach mitlaufen zu lassen – so wie den duftenden Earl Grey in einer den Szenen.

Zwischen Lachen und Leiser Erkenntnis

Die Komik des Films entsteht aus dem Zusammenprall der Generationen, aus gut gemeintem Rat, der meist im Desaster endet, und aus kleinen Gesten mit großer Wirkung. Wer Situationskomik liebt, aber auf Klamauk verzichten kann, ist hier richtig.

Der Film schafft das seltene Kunststück, seine Figuren nie bloßzustellen – auch wenn sie sich auf offener Straße um die richtige Gottesdienst-Kleidung streiten oder mitten in der Nacht einen gemeinsamen Weinrausch feiern. Es ist eine Komödie, ja. Aber eine, die mit ihren Wurzeln tief in der Realität gräbt – dort, wo Liebe, Schuld und Fürsorge miteinander ringen.

Zwischenmenschlich, nicht melancholisch

Obwohl das Thema Pflege und Abhängigkeit mitschwingt, ist der Film kein Tränendrücker. Vielmehr erinnert er uns daran, wie viel unausgesprochene Liebe in alltäglichen Handlungen steckt. Wie schwer es ist, sich von Eltern zu lösen – und wie kostbar es ist, wenn Freundschaften so tief gehen, dass selbst die Mütter Teil davon werden. Man verlässt das Kino nicht mit schweren Gedanken, sondern mit einem Schmunzeln – und vielleicht einem Anruf bei der eigenen Mutter im Ohr.

„Vier Mütter für Edward“ ist ein kluger, feinsinniger Film über das Erwachsensein inmitten elterlicher Überbleibsel, über queere Solidarität und das zarte Band zwischen Generationen. Er erzählt von Verantwortung, ohne zu moralisch zu werden, und von Familie, ohne sie zu idealisieren. Wer Filme wie „Das Festmahl im August“ oder „Pride“ mochte, wird hier sein Kino-Glück finden – zwischen schmunzelnden Dialogen, weisem Humor und einer Extraportion Menschlichkeit.

Mehr Informationen
MuetterEdwardPlakat
Vier Mütter für Edward
Irland 2022 | Komödie | 89 Minuten
Regie: Darren Thornton | Besetzung: James McArdle, Fionnula Flanagan, Paddy Glynn, Dearbhla Molloy, Stella McCusker, Gaëtan Garcia

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