Die US-Tochter der Deutschen Telekom, T-Mobile US, hat ihre Programme für Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion (DEI) vollständig eingestellt. Nur einen Tag später erhielt der Konzern die lang ersehnte Freigabe für zwei milliardenschwere Übernahmen durch das US-Justizministerium (DOJ) und die Kommunikationsaufsicht FCC.
Der Schritt erfolgt in einem politischen Klima, das seit dem Amtsantritt von Präsident Donald Trump von zunehmendem Druck auf Unternehmen geprägt ist, sich von DEI-Initiativen zu distanzieren. Die Entscheidung von T-Mobile US wirft daher auch Fragen nach dem Verhältnis zwischen Wirtschaft und Politik auf.
Milliarden-Deals nach politischer Kurskorrektur
Denn für T-Mobile US geht es um jede Menge Geld. So wollte die US-Tochter des deutschen Konzerns für rund 4,4 Milliarden Dollar große Teile des regionalen Anbieters UScellular übernehmen. Das Unternehmen sichert sich damit unter anderem Zugang zu einem breiten Kundenstamm in ländlichen Gebieten sowie rund 30 Prozent der drahtlosen Spektrumrechte von UScellular.
Gleichzeitig bestätigte T-Mobile US ein weiteres Joint Venture mit dem Finanzinvestor KKR im Umfang von etwa 4,9 Milliarden Dollar. Beide Transaktionen erhielten kurz nacheinander grünes Licht – zunächst vom DOJ, dann von der Federal Communications Commission (FCC).
„Kapitulation in der Substanz“
Vorausgegangen war die schriftliche Bestätigung von T-Mobile, alle DEI-Initiativen sowohl inhaltlich als auch namentlich einzustellen. In einem Brief an die FCC erklärte T-Mobile, sämtliche internen Stellen, Schulungen und Inhalte zu DEI abzuschaffen. Auch auf der Website solle das Thema nicht mehr vorkommen.
Damit reihte sich der Konzern in eine wachsende Liste großer US-Unternehmen ein, die unter Druck der US-Regierung von Donald Trump ihre Diversitätsstrategien aufgaben – darunter auch Verizon, Walmart, Meta und Google.
Die Demokratische FCC-Kommissarin Anna Gomez kritisierte das Vorgehen deutlich. Sie sprach von einer „feigen unternehmerischen Kapitulation“ und warf T-Mobile vor, seine früheren Bekenntnisse zur Gleichbehandlung aufzugeben, um regulatorische Vorteile zu erlangen.
Politischer Druck nimmt Einfluss auf Firmenpolitik
Die US-Regierung unter Präsident Trump hat DEI-Initiativen in Unternehmen wiederholt als „diskriminierend“ und „ideologisch motiviert“ bezeichnet. FCC-Chef Brendan Carr, ein Trump-Vertrauter, erklärte offen, dass Unternehmen mit solchen Programmen künftig nicht mit Genehmigungen rechnen könnten. Er lobte T-Mobile öffentlich für die Aufgabe seiner DEI-Strategie.
Das Justizministerium rechtfertigte die Zustimmung zur UScellular-Übernahme mit wirtschaftlichen Argumenten. Assistant Attorney General Gail Slater erklärte, UScellular habe Schwierigkeiten gehabt, mit den Investitionen der drei großen US-Anbieter Schritt zu halten. Der Zusammenschluss ermögliche nun eine bessere Netzqualität und schnellere Datenverbindungen für Kunden in ländlichen Regionen.
Wirtschaftliche Rationalität versus soziale Verantwortung
Trotz politischer Zustimmung gibt es Kritik an der wirtschaftlichen Logik des Vorgehens. Studien, unter anderem von McKinsey und der Boston Consulting Group, zeigen, dass vielfältige Unternehmen nachweislich erfolgreicher sind. Gemischte Führungsteams erzielen demnach häufiger überdurchschnittliche Gewinne, Innovationen und bessere Entscheidungen.
In den USA sorgen die aktuellen Rückzüge von DEI-Initiativen deshalb auch in der Wirtschaft für Diskussionen. T-Mobile hat mit der Aufgabe seiner Programme womöglich kurzfristige regulatorische Vorteile erzielt – langfristig aber könnten Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität als Arbeitgeber leiden.

