Im Presseclub Concordia wurde der Grundstein für ein Projekt gelegt, das den Umgang mit queeren Themen in der Berichterstattung verbessern soll. Die neu gegründete Plattform „Queer Media Literacy” verfolgt das Ziel, queeres Leben in den Medien differenziert, respektvoll und sachlich darzustellen.
Das ist in Zeiten wachsender Desinformation, rechtspopulistischer Einflussnahme und gezielter Destabilisierungsversuche durch russische Propaganda besonders wichtig.
Ein Raum für Austausch und Zusammenarbeit
Im Zentrum des Workshops standen Fragen zur medialen Verantwortung sowie zur Qualität journalistischer Arbeit im Umgang mit LGBTI-Themen. Die Veranstaltung wurde von einer Gruppe engagierter Medien- und Community-Akteur:innen initiiert, die eine dauerhafte Struktur für Austausch und Zusammenarbeit etablieren wollen.
Einer der prominenten Sprecher war Julian Wiehl, Herausgeber des Vangardist-Magazins. Er schilderte eindringlich, wie internationale rechte Netzwerke systematisch queere Narrative angreifen und manipulieren. Seine Untersuchung zeigte, dass es eines durchdachten Vorgehens und profunder Kenntnis der Medien bedarf, um derlei Entwicklungen effektiv entgegenzuwirken.
Starke Stimmen aus Medien und Community
Eine weitere starke Stimme auf dem Podium war Yavuz Kurtulmus, queerer Aktivist und Filmemacher. Er brachte seine langjährige Erfahrung aus der Community-Arbeit ein und betonte die Notwendigkeit, marginalisierte Perspektiven in die redaktionelle Praxis zu integrieren. Kurtulmus sprach sich für eine enge Zusammenarbeit von Journalist:innen und queeren Vertreter:innen aus.
Die Diskussion wurde von der ehemaligen Politikerin und Menschenrechtsaktivistin Ewa Ernst-Dziedzic moderiert, die nur einen Tag zuvor mit dem Goldenen Verdienstzeichen der Republik Österreich ausgezeichnet worden war. Durch ihre Moderation unterstrich sie die politische und gesellschaftliche Relevanz des Themas.
Plattform als offenes Angebot
Die Organisatoren betonten, dass die neue Plattform als offenes Angebot gedacht ist. Sie laden Medienvertreter:innen wie auch Mitglieder der queeren Community ein, aktiv an einer verantwortungsvollen Berichterstattung mitzuwirken.
Im weiteren Verlauf des Projekts sind praxisnahe Angebote geplant, darunter Sensibilisierungsformate für Redaktionen, regelmäßige Dialogrunden und digitale Austauschmöglichkeiten. Eine zentrale Rolle soll dabei auch eine Datenbank zur Vernetzung von Journalist:innen, Expert:innen und queeren Organisationen spielen. Zudem ist ein System zur Auszeichnung besonders qualitätsvoller Berichterstattung vorgesehen, um positive Beispiele sichtbarer zu machen.
Ein kontinuierlicher Ort des Austauschs
Die Initiatoren rufen zur aktiven Mitgestaltung auf und kündigten an, bald weitere Informationen über ihre Kanäle bereitzustellen. „Queer Media Literacy” soll so zu einem kontinuierlichen Ort des Austauschs werden, an dem queere Perspektiven Gehör finden und an dem Medien ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden können.
Die Wiener Antidiskriminierungsstelle für LGBTI-Angelegenheiten (WASt) unterstützte den Workshop im Rahmen ihres queeren Kleinprojektetopfs.

