HomeCSD & ParadenPride in der NäheRekordbeteiligung bei Pride in Bratislava

Rekordbeteiligung bei Pride in Bratislava

Mehr als 16.500 Menschen haben am Samstag in Bratislava am Dúhový Pride teilgenommen – so viele wie nie zuvor. Gründe gibt es dafür genug: So hatte die Regierung die Unterstützung für die Pride gestrichen - und hat zwei queerfeindliche Gesetzesvorlagen in der Pipeline.

Die slowakische Hauptstadt Bratislava erlebte am Samstag die bislang größte Pride-Veranstaltung ihrer Geschichte. Der 15. Dúhový Pride setzte ein starkes Zeichen für LGBTI-Rechte. Laut den Veranstalter:innen nahmen über 16.500 Menschen an der Parade teil, was einen neuen Besucherrekord darstellt.

Solidarität aus Österreich

Neben Teilnehmenden aus der gesamten Slowakei waren auch zahlreiche Besucher:innen aus Österreich bei der Pride anwesend, darunter die HOSI Wien, das Queere Bündnis und Vertreter:innen der Fetisch-Community.

Gleichzeitig organisierte die konservative „Allianz für die Familie“ eine Gegenkundgebung unter dem Titel „Stolz auf die Familie“, die nur wenige hundert Meter entfernt stattfand. Dort versammelten sich Schätzungen zufolge 600 bis 800 Menschen. Die Polizei sprach am Samstagabend von einem reibungslosen Verlauf beider Versammlungen.

Verschärfte Sicherheitsmaßnahmen nach vereiteltem Anschlag 2023

Bereits im Vorfeld hatten die Stadt und die Sicherheitsbehörden umfangreiche Maßnahmen angekündigt. Hintergrund war ein für das Jahr 2023 geplanter Anschlag auf den Pride, den der slowakische Staatsschutz damals rechtzeitig verhindert hatte. In diesem Jahr standen daher Zugangskontrollen, Kameraüberwachung, Drohnenflüge und eine starke Polizeipräsenz auf dem Programm.

Die Polizei hatte zudem dafür gesorgt, dass sich die Teilnehmenden beider Veranstaltungen nicht direkt begegnen.

Umfangreiches Kultur- und Protestprogramm

Die Dúhový Pride begann um 12 Uhr mittags mit einem Bühnenprogramm im Pride Village auf dem Námestie slobody (Freiheitsplatz). Auch zahlreiche NGOs, die sich für Menschenrechte, Bildung oder Umweltschutz einsetzen, waren mit Infoständen vor Ort vertreten.

Der slowakische Sicherheitsanalyst Patrik Tichý erläuterte die Sicherheitsbestimmungen im Pride Village: „Es gibt überwachte Eingänge, damit sich niemand Zutritt verschafft, der dort nichts zu suchen hat.“ Insgesamt waren etwa 80 Freiwillige im Einsatz, unterstützt durch die Stadt- und die Staatspolizei, unter anderem mit Fahrradpatrouillen.

Die Regierung Fico gefährdet die Rechte queerer Menschen

Gegen 14 Uhr startete schließlich bei strahlendem Sonnenschein der eigentliche Marsch durch die Innenstadt von Bratislava, vorbei am Präsidentenpalast und der Burg. Aus Sicherheitsgründen waren der genaue Zeitpunkt des Marsches und die genaue Route geheim gehalten worden.

Im politischen Fokus standen insbesondere zwei aktuelle Gesetzesinitiativen der rechtspopulistischen Regierung von Ministerpräsident Robert Fico: Einerseits ein Entwurf zur Verfassungsänderung, dem zufolge „die Eltern eines Kindes Mutter und Vater“ sein sollen, und andererseits eine Definition, laut der die Slowakische Republik „nur biologisch bestimmte Geschlechter“ anerkennt. Beides würde die rechtliche Lage von Regenbogenfamilien und trans Personen erheblich verschärfen.

Gekürztes Budget, breite Unterstützung

Trotz eines um 35.000 Euro reduzierten Budgets von 55.000 Euro gelang es den Organisator:innen, ein vielfältiges und professionell organisiertes Festival auf die Beine zu stellen. Grund für die Kürzung war die Entscheidung des slowakischen Kulturministeriums, keine LGBTI-Veranstaltungen mehr finanziell zu unterstützen. Der Pride wurde deshalb verstärkt durch private Spenden, Sponsoren und Crowdfunding finanziert.

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