Was früher dem Gesicht vorbehalten war, wandert jetzt nach unten. Botox-Injektionen im Bereich des Hodensacks, auch „Scrotox“ genannt, sorgen derzeit für Schlagzeilen. In der US-Serie „The Valley“ zeigte Reality-TV-Star Zack Wickham, wie er sich den Intimbereich mit Botox behandeln ließ. „Ich wollte einfach sehen, was passiert, wenn die Hoden mal unten bleiben“, kommentierte er die Behandlung auf lockere Weise.
Doch hinter der medienwirksamen Show steckt ein wachsender Trend. Immer mehr Männer interessieren sich für kosmetische Eingriffe im Intimbereich – nicht nur aus ästhetischen Gründen, sondern auch wegen Komfort und sexueller Empfindsamkeit.
Was passiert bei Scrotox?
Botox – also Botulinumtoxin – wird dabei in die Haut des Hodensacks gespritzt. Der Effekt: Der sogenannte Cremaster-Muskel, der für das Hochziehen der Hoden bei Kälte oder Erregung verantwortlich ist, wird entspannt. „Durch die zeitweise Deaktivierung des Cremasterreflexes entsteht ein entspannteres, jugendlicheres Erscheinungsbild“, erklärt Dr. Giselle Prado-Wright, ästhetische Chirurgin aus Florida, dem Instinct Magazine.
Aber nicht nur das Aussehen ändert sich. Einige Patienten berichten auch von mehr Sensibilität beim Sex. Doch nicht nur das: „Das Botox reduziert die Produktion der Schweißdrüsen, außerdem hilft es, dass sich die Haut entspannt. Die Hoden wirken größer und glatter“, sagt Dr. Christos Koliussis, Chefarzt, Clinic im Centrum Dortmund und Münster der Bild-Zeitung.
Auch in Europa auf dem Vormarsch?
Auch in Europa wächst das Interesse. „Die Nachfrage nach Genitalästhetik steigt. Eine Hodensack-Straffung habe ich bereits ausgeführt“, erklärt Dr. Murat Dagdelen von „DiaMonD Aesthetics“ in Düsseldorf.
Die Risiken seien überschaubar, solange die Behandlung durch erfahrene Fachärzte erfolgt. Mögliche Risiken sind Schwellungen, Blutergüsse oder kurzzeitige Taubheitsgefühle. Die Wirkung sei ohnehin nicht dauerhaft – die Effekte halten etwa drei bis sechs Monate an.
Zwischen Körperpflege, Sex und Selbstbewusstsein
Scrotox ist Teil eines größeren Trends: Immer mehr Männer investieren in ästhetische Eingriffe. Neben klassischem Botox im Gesicht oder Haartransplantationen gehören inzwischen auch Behandlungen im Intimbereich dazu – wie Bocox (Botox für den Penis), PRP-Shots oder Stoßwellentherapie zur Potenzsteigerung.
Für viele Betroffene geht es dabei nicht nur um Äußerlichkeiten, sondern auch um Selbstbewusstsein. Wer sich im eigenen Körper wohlfühlt, erlebt oft auch eine Steigerung der Lebensqualität.
Fachärzte betonen allerdings: Scrotox ist ein rein ästhetischer Eingriff – medizinisch notwendig ist er in der Regel nicht. Die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) weist darauf hin, dass Patienten vor einer Entscheidung umfassend aufgeklärt werden sollten, insbesondere über mögliche Nebenwirkungen und begrenzte Wirkungsdauer.
Scrotox: Von der Nischenbehandlung zum Lifestyle-Statement
Ob Neugier, Eitelkeit oder tatsächlicher Leidensdruck – Männer, die sich für Scrotox entscheiden, machen zunehmend öffentlich, was früher unter der Gürtellinie blieb.
Mit Promis wie Zack Wickham an der Spitze wird der Eingriff zum Gesprächsthema und Teil eines wachsenden Selbstoptimierungstrends. Die Botschaft ist klar: Wer seinen Körper liebt, darf ihn auch pflegen – ganz gleich, ob es um Gesicht, Bauch oder den Hodensack geht.

