HomeCSD & ParadenPride in der NäheStadt Köthen bricht Zusammenarbeit mit CSD-Organisatoren ab

Stadt Köthen bricht Zusammenarbeit mit CSD-Organisatoren ab

Nach einem Streit über Infrastruktur und Kommunikation beim CSD in Köthen zieht die Stadt drastische Konsequenzen. Künftige Kooperationen mit den bisherigen Veranstaltern sind ausgeschlossen

Am 12. Juli fand in Köthen (Sachsen-Anhalt) der Christopher Street Day (CSD) statt. Die Veranstaltung zog nach Angaben der Veranstalter bis zu 600 Teilnehmende auf den Marktplatz der Stadt.

Konflikt spitzte sich schon vor dem CSD zu

Während die Demonstration selbst friedlich verlief, hatte es im Vorfeld erheblichen Streit zwischen der Stadtverwaltung und den Organisatoren gegeben. Mit bedeutenden Folgen: Trotz des erfolgreichen Verlaufs will die Stadt Köthen künftig nicht mehr mit dem bisherigen Organisationsteam zusammenarbeiten.

Zentraler Streitpunkt war die Infrastruktur der Veranstaltung. Den Veranstaltern zufolge untersagte das Ordnungsamt kurzfristig die Nutzung von Stromanschlüssen, obwohl die Aufbauarbeiten bereits liefen. Außerdem ging es um die Aufstellung von Toilettenwagen und Versorgungsständen, die zunächst ebenfalls verboten wurden. Letztlich entschied ein Gericht kurz vor der Veranstaltung zugunsten der Veranstalter.

Stadt Köthen wehrt sich gegen Vorwürfe

Am Donnerstag reagierte die Stadt Köthen mit einer öffentlichen Mitteilung: Eine weitere Zusammenarbeit mit dem Organisationsteam um Falko Jentsch (CSD Sachsen-Anhalt) und Julian Miethig (CSD Köthen) sei ausgeschlossen. Laut Stadtverwaltung sei die Eskalation vor allem auf die Art der öffentlichen Kommunikation zurückzuführen.

Die Stadt widersprach dem Vorwurf, sie habe Infrastrukturmaßnahmen verweigert. Vielmehr habe der Landkreis Anhalt-Bitterfeld den Marktplatz für Verkaufsstände und mobile Anlagen gesperrt. Laut der Stadt sei dem CSD-Team ein alternativer Ort angeboten worden.

Oberbürgermeisterin erwägt rechtliche Schritte

Laut der Stadt sollen die beiden Hauptorganisatoren Oberbürgermeisterin Christina Buchheim (Die Linke) zwei Tage vor dem CSD gedrängt haben, sich über die Auflagen des Landkreises hinwegzusetzen. Dabei sei auch mit negativer Presse gedroht worden. Buchheim prüft eigenen Aussagen zufolge nun strafrechtliche Schritte gegen die Verantwortlichen.

Julian Miethig bestätigte dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR), dass das Gespräch mit der Oberbürgermeisterin „sehr schwierig“ gewesen sei. Man habe sich rechtlich gegen die Auflagen wehren müssen, was man eigentlich vermeiden wollte. Miethig weiter: „Die Sicherheit war ein großes Thema.“

Sorge um queere Sichtbarkeit auf dem Land

Falko Jentsch vom CSD Sachsen-Anhalt wies wiederum auf die besonderen Herausforderungen hin, mit denen queere Menschen im ländlichen Raum konfrontiert sind. Viele hätten Sorgen um ihre Sicherheit, beispielsweise auf dem Weg zu Veranstaltungen oder beim Tragen von Pride-Symbolen. „Die Situation ist in den letzten Jahren wieder schwieriger geworden“, sagte Jentsch dem MDR.

Auf dem Land fehle es oft an Akzeptanz, so Jentsch. Viele Gemeinden seien mit queeren Events wie dem CSD überfordert und versuchten, diese mit formalen Auflagen zu verhindern. Solche Reaktionen gebe es in größeren Städten deutlich seltener.

Die Positionen zwischen den Veranstaltern und der Stadt scheinen im Moment unversöhnlich zu sein. Ob es unter diesen Voraussetzungen in Zukunft überhaupt einen CSD in Köthen geben wird, bleibt derzeit offen.

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