Die Polizei hat im Jahr 2024 insgesamt 6.786 Hassverbrechen gezählt – um 20 Prozent mehr als 2023. Das geht aus dem aktuellen Hate-Crime-Bericht des Innenministeriums hervor.
Hassverbrechen sind Straftaten, bei denen Menschen wegen bestimmter Merkmale wie Religion, Herkunft oder sexueller Orientierung angegriffen werden. Eine einzelne Tat kann mehrere Gründe haben – daher wurden insgesamt 7.614 Vorurteilsmotive registriert. Die Aufklärungsquote liegt weiter bei etwa 67 Prozent.
Deutlicher Rückgang bei queerfeindlichen Angriffen
Im Unterschied zum Gesamtanstieg wurden weniger Taten gemeldet, bei denen die sexuelle Orientierung das Tatmotiv war. 2024 zählte die Polizei 317 solcher Fälle – das sind 29 Prozent weniger als im Vorjahr. Damit ist dieses Motiv seltener geworden als Religion (763 Fälle), Hautfarbe (417) oder ethnische Herkunft (1.581).
Allerdings erfasst das Innenministerium nur die Zahl der entsprechend eingeordneten Anzeigen. Angriffe, die nicht bei der Polizei angezeigt wurden oder bei denen das Opfer ein queerfeindliches Motiv verschwiegen hat, werden in der Statistik nicht erfasst. Die Dunkelziffer dürfte also erheblich höher sein.
Auch deshalb warnt Innenminister Gerhard Karner (ÖVP): „Die jüngsten Fälle zeigen, wie schnell aus Hass im Netz echte Gewalt wird.“ Ein Hinweis auf eine Razzia im März 2025. Damals wurde ein Netzwerk aufgedeckt, das schwule und bisexuelle Männer angriff, ausraubte und verletzte. Die Täter warfen ihren Opfern fälschlich Pädophilie vor, um die Übergriffe zu rechtfertigen.
Meist geht es um Weltanschauung und Herkunft
Fast die Hälfte aller Hassmotive 2024 bezog sich auf die Weltanschauung – insgesamt 3.935 Mal. Das ist nicht nur der häufigste, sondern auch der am stärksten gestiegene Grund. Dahinter folgen Angriffe wegen Herkunft, Religion und Hautfarbe.
Die häufigsten Straftaten waren Verstöße gegen das Verbotsgesetz (zum Beispiel Wiederbetätigung oder Holocaust-Leugnung), gefolgt von Sachbeschädigung, Körperverletzung und gefährlicher Drohung.
Die Täter sind meist männlich und jung
Bei den Tatverdächtigen zeigt sich ein klares Muster: 86 Prozent waren Männer, viele davon minderjährig. Damit liegt der Männeranteil bei Hassverbrechen deutlich höher als bei der allgemeinen Kriminalität (78 Prozent).
Der Anteil ausländischer Verdächtiger war mit 26 Prozent hingegen deutlich niedriger als im Gesamtschnitt (47 Prozent). Auch bei frauenfeindlichen Taten waren drei von fünf Tatverdächtigen Österreicher.
Ein Viertel der Hassverbrechen passiert online
Ein großer Teil der Hassverbrechen fand im Internet statt – insgesamt etwa ein Viertel. Drei Viertel davon betrafen Inhalte, die gegen das Verbotsgesetz verstoßen. Besonders oft ging es um rassistische oder antisemitische Postings. Zwei Drittel der religiös motivierten Hasskommentare richteten sich gegen Jüdinnen und Juden, ein Drittel gegen Musliminnen und Muslime.
Besonders viele Fälle pro Kopf gab es in Salzburg, Wien und Kärnten. Im Burgenland wurden die wenigsten Hassmotive registriert.
Innenminister: Prävention zeigt Wirkung
Innenminister Karner sieht trotz der vielen Vorfälle auch Fortschritte. „Die langjährige Schulung der Polizei und gezielte Ermittlungen helfen dabei, Täter schneller zu erkennen“, heißt es im Vorwort des Berichts.
Der Hate-Crime-Bericht erscheint seit 2022 jährlich. Berücksichtigt werden nur Fälle, bei denen die polizeilichen Ermittlungen bereits abgeschlossen sind.

