HomePolitikEuropa„Vielleicht kommt er irgendwann zurück“: SPD-General Klüssendorf spricht über trans Bruder 

„Vielleicht kommt er irgendwann zurück“: SPD-General Klüssendorf spricht über trans Bruder 

SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf hat sich aus Solidarität mit seinem Bruder ein Tattoo stechen lassen. Der 33-jährige Bundestagsabgeordnete trug beim Format „Politikergrillen“ mit Welt-Chefredakteur Jan Philipp Burgard eine bewegende Familiengeschichte vor. Auf seinem rechten Arm zeigt ein Tattoo den Grundriss der Lübecker Altstadt – das gleiche Motiv trägt auch sein Bruder an derselben Stelle.

„Mein Bruder ist ein trans Mann“, erklärt Klüssendorf. „Bei der Angleichungsoperation – das sind viele Operationen – wird am Unterarm Gewebe entnommen.“ Durch diesen chirurgischen Eingriff entstünden oft sichtbare Narben. Deshalb ließen sich viele trans Männer an dieser Stelle Tattoos stechen – aus ästhetischen Gründen, aber auch, „damit man eben nicht von außen sieht, was da für Angleichungen stattgefunden haben“.

„Das ist mein Beitrag, seinen Weg mitzugehen“

Klüssendorf betont die enge Verbindung zu seinem Bruder. Der gemeinsame Körperschmuck sei ein sichtbares Zeichen dieser Beziehung. „Ich habe ihm gesagt: Für diesen sehr schwierigen Weg, den er gegangen ist, lasse ich mir aus Solidarität das gleiche Tattoo an der gleichen Stelle stechen.“

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Die Entscheidung für das Motiv sei nicht leicht gefallen. „Wir sind sehr unterschiedlich“, sagt der SPD-Politiker. Auch politisch gebe es Differenzen. So sei sein Bruder zwar einst in die SPD eingetreten – aber später wieder ausgetreten. Der Grund: Er habe sich von der Partei nicht ausreichend vertreten gefühlt, besonders in Bezug auf transpolitische Anliegen.

„Vielleicht kommt er irgendwann zurück“

Mit einem Augenzwinkern hofft Klüssendorf, dass sich diese Haltung ändern könnte. Das neue Selbstbestimmungsgesetz, das die Ampel-Koalition im Bundestag beschlossen hat, sei ein wichtiger Schritt für mehr Rechte von trans Personen. „Damit haben wir deutlich gemacht, dass wir für die Rechte von trans Menschen kämpfen.“

Neben dem Lübeck-Tattoo trägt Klüssendorf eine weitere Tätowierung: das Symbol der „Eisernen Front“, einer antifaschistischen Bewegung aus der Weimarer Republik. Diese hatte damals sowohl gegen Nationalsozialisten als auch gegen Kommunisten mobil gemacht.

Obwohl er von Burgard als „großflächig tätowiert“ vorgestellt wurde, relativiert Klüssendorf lachend: „Es sind zwei Tattoos.“ Das Gespräch verdeutlicht nicht nur persönliche Hintergründe, sondern auch die zunehmende Offenheit für Diversität und Identitätsfragen in der Politik.

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