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World Athletics schließt trans Frauen mit Gentest faktisch von Frauenbewerben aus

Ab September 2025 verlangt der Leichtathletik-Weltverband einen Gentest zur Teilnahme an Frauenbewerben bei Weltmeisterschaften. Das bedeutet de facto den Ausschluss aller trans Frauen vom Spitzensport.

Ab dem 1. September 2025 müssen alle Athletinnen, die bei Weltmeisterschaften in der Frauenkategorie antreten wollen, nachweisen, dass sie nicht Trägerinnen des SRY-Gens sind. Das hat der Leichtathletik-Weltverband World Athletics (WA) nun beschlossen.

Trans Frauen werden ausgeschlossen, obwohl sie nicht einmal erwähnt werden

Das SRY-Gen ist Teil des Y-Chromosoms und steuert die männliche Geschlechtsentwicklung. Da trans Frauen normalerweise – unabhängig vom Zeitpunkt ihrer Transition – über dieses Gen verfügen, schließt die neue Regelung sie faktisch von der Teilnahme aus – auch, wenn sie in der Bestimmung nicht erwähnt werden.

Die Regelung greift erstmals bei den Weltmeisterschaften in Tokio (13.–21. September 2025). Sie gilt für alle Bewerbe, die für das Weltranking relevant sind. Der Nachweis erfolgt über einen einmaligen Gentest, entweder per Wangenabstrich oder Blutprobe. Die Durchführung und Kontrolle übernehmen die Mitgliedsverbände der WA.

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„Biologisch weiblich“ als neue Zugangsvoraussetzung

„Unsere Philosophie bei World Athletics ist es, die Integrität des Frauensports zu schützen und zu fördern“, erklärte WA-Präsident Sebastian Coe. Er betonte weiter: „Auf Elite-Niveau ist es notwendig, biologisch weiblich zu sein, um in der Frauenkategorie anzutreten.“ 

Dabei wiederholt er bekannte transfeindliche Narrative: „Geschlecht kann nicht über Biologie stehen.“ Eine Ausnahmeregelung für trans Frauen sei laut WA „nicht notwendig“, da derzeit keine trans Athletin auf Elite-Niveau international starte.

WA betont Datenschutz – Kritik von Fachleuten wächst

In einem Statement versicherte der Verband, die Maßnahme verletze nicht die Geschlechtsidentität der Betroffenen. Man respektiere deren Privatsphäre, halte sich an Datenschutzgesetze und sehe keine Pflicht zu Operationen oder anderen medizinischen Eingriffen vor.

Dennoch äußern zahlreiche medizinische Fachleute, Jurist:innen und Menschenrechtsorganisationen massive Bedenken. Sie kritisieren, dass trans Frauen systematisch ausgeschlossen und intergeschlechtliche Athletinnen diskriminiert werden. Diese müssten ihre biologische Zugehörigkeit nachweisen, während bei Männern keine vergleichbaren Anforderungen bestehen.

„Die Regel trifft ausschließlich Frauen – vor allem jene, deren Körper nicht in einfache Kategorien passen“, so die Kritik. Männer mit natürlich hohem Testosteronspiegel würden im Sport gefeiert – Frauen mit biologischen Abweichungen müssten hingegen ihre Zugehörigkeit beweisen.

Vorherige Maßnahmen: Hormonpflicht und der Fall Semenya

Bereits 2018 hatte World Athletics sogenannte „DSD-Athletinnen“ verpflichtet, ihren Testosteronspiegel hormonell zu senken, um in der Frauenkategorie startberechtigt zu bleiben. Die bekannteste Betroffene: Caster Semenya. Die zweifache Olympiasiegerin weigerte sich, diese Vorgabe zu erfüllen – und wurde von künftigen Wettkämpfen ausgeschlossen.

Semenya klagte gegen die Entscheidung bis vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR), der im Juli 2024 feststellte, dass die Ablehnung ihres Einspruchs durch die Schweizer Gerichte ihre Rechte verletzt habe. Der Fall liegt nun erneut in der Schweiz beim Bundesgericht.

Kein Einzelfall im Weltsport

World Athletics steht mit dieser Maßnahme nicht allein. Auch der Boxweltverband (World Boxing) führte im Mai 2025 eine verpflichtende Geschlechtsprüfung ein. Die algerische Boxerin Imane Khelif wurde von der WM ausgeschlossen, weil sie sich nicht testen ließ.

Die zunehmende Verbreitung solcher Regelungen alarmiert Menschenrechtsorganisationen. Sie sehen darin einen globalen Trend zur stärkeren Kontrolle von Körpern – vor allem von Frauen, trans und intergeschlechtlichen Personen. Kritik kommt auch aus der Medizin: Fachleute betonen, dass biologische Geschlechtsmerkmale variieren und sich nicht auf ein einzelnes Gen reduzieren lassen.

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