Am 1. August hat Kolumbiens Präsident Gustavo Petro den ehemaligen Gay-Pornodarsteller Juan Carlos Florián zum Minister für Gleichstellung ernannt. Diese Entscheidung sorgt für Diskussionen – nicht nur wegen Floriáns Vergangenheit im Erotikbereich, sondern auch wegen der turbulenten Geschichte des noch jungen Ministeriums.
Florián ist Politikwissenschaftler und war bereits seit April als Vize-Minister für Gleichstellung tätig. In einem öffentlichen Instagram-Beitrag beschrieb er seine Biografie: „Ich komme von der Straße, aus dem Kampf, aus dem echten Aktivismus. Ich war Sexarbeiter, habe Pornofilme gemacht, bin HIV-positiv und war ein Migrant.“
Florián betont seine politische Erfahrung
In seinem Beitrag stellte Florián klar, dass er nicht nur wegen seiner Vergangenheit bekannt sei: „Ich bin auch Politikwissenschaftler, habe an öffentlichen Projekten mitgearbeitet, war Menschenrechtsverteidiger und öffentlicher Bediensteter – und vor allem bin ich ein Sohn des Volkes.“
Präsident Petro stärkte ihm öffentlich den Rücken. In einer im Fernsehen übertragenen Ministerratssitzung wies der linke Politiker Kritik an der Personalie zurück. Niemand solle ihm sagen, „dass wir einen Pornodarsteller, der in Paris eine Arbeitergewerkschaft gegründet hat, ausschließen müssen.“
Florián hatte während seines Aufenthalts in Frankreich als Webcam-Model gearbeitet, nachdem er wegen seiner Arbeit in der Gleichstellungsstelle für LGBTI-Personen in Bogotá Morddrohungen erhalten hatte. In Paris engagierte er sich in einer Gewerkschaft für Sexarbeiter:innen.
Ministerium mit kurzer und bewegter Geschichte
Florián folgt auf Carlos Rosero, einen Anthropologen, der das Amt nach dem Rückzug von Vizepräsidentin Francia Márquez übernommen hatte. Márquez, die erste schwarze Vizepräsidentin eines südamerikanischen Landes, hatte das Ministerium für Gleichstellung ursprünglich selbst geleitet, sich jedoch wegen interner Spannungen zurückgezogen.
Das Ministerium gilt als eines der instabilsten Ressorts innerhalb der Regierung. Die verfassungsrechtliche Grundlage des Ministeriums wurde von Kolumbiens Verfassungsgericht aufgehoben, da die nötige finanzielle Deckung im Parlament fehlte. Deshalb soll das Ministerium im Jahr 2026 wieder geschlossen werden.
Auch im Haushaltsentwurf für das kommende Jahr ist es eines der am schlechtesten ausgestatteten Ressorts. Beobachter sehen darin ein Zeichen für den geringen politischen Rückhalt.
Kritik aus konservativen Kreisen
Die Ernennung von Florián stieß auch außerhalb der Regierung auf scharfe Kritik. So äußerte sich der konservative Abgeordnete Miguel Polo Polo auf der Plattform X (ehemals Twitter) abfällig über die Entscheidung und postete einen vermeintlichen Screenshot aus Floriáns früheren Arbeiten in der Erotikbranche.
Die Reaktionen zeigen, wie sehr Floriáns persönliche Geschichte die politischen Debatten in Kolumbien polarisiert – insbesondere in einem Land mit tief verwurzelten konservativen und katholischen Strukturen.

