Zehntausende Menschen nahmen am Samstag an der Pride Parade durch die Prager Innenstadt teil. Der bunte Umzug bildete den Höhepunkt der 15. Prague Pride, bei der eine Woche lang mit zahlreichen Veranstaltungen Vielfalt und Gleichberechtigung gefeiert wurden. Bei sonnigem Wetter zog die Parade über mehrere Stunden durch das Zentrum der tschechischen Hauptstadt.
Angeführt wurde der Zug von Aktivist:innen und Vertreter:innen verschiedener LGBTI-Organisationen. Dahinter folgten geschmückte Trucks mit Musik, Tänzer:innen, Drag-Künstler:innen sowie zahlreiche Teilnehmende mit Fahnen, Schildern und Plakaten. Neben den Symbolen der queeren Community waren auch die Nationalflaggen Tschechiens, der Slowakei und Ungarns sowie die Europaflagge zu sehen.
Starke Botschaft durch kreatives Motto
Unter dem Motto „Wo ist meine Heimat?” griff die diesjährige Pride ein zentrales Thema auf. Die Zeile stammt aus der tschechischen Nationalhymne und wurde bewusst gewählt, um das Spannungsfeld zwischen nationaler Zugehörigkeit und queerer Identität sichtbar zu machen.
Die Organisator:innen erklärten, Heimat sei nicht nur ein Ort, sondern auch ein Gefühl von Sicherheit, Akzeptanz und Zugehörigkeit – ein Gefühl, das für viele queere Personen in Mittel- und Osteuropa noch immer unerreichbar ist.
Lenka Hronová, Produktionsleiterin die Prague Pride, sagte dem Tschechischen Radio (ČRo) : „Das Thema spiegelt das politische Klima in der Region wider. Es geht um Sichtbarkeit, aber auch um Schutz vor dem wachsenden Druck auf queere Rechte.“
Internationale Beteiligung und politische Statements
Auch aus Nachbarländern wie Ungarn, Polen und der Slowakei reisten viele Menschen an, um sich an der Parade zu beteiligen. Die Veranstalter:innen betonten, dass Prag einen sicheren Raum für queere Menschen in der Region biete und somit ein Ort sei, an dem auch internationale Gäste ihre Stimme erheben könnten.
Inmitten des Festzugs machte eine kleinere Gruppe auf die Lage im Gazastreifen aufmerksam. Laut der Nachrichtenagentur ČTK trugen einige Hundert Demonstrierende entsprechende Schilder und Transparente.
Die Polizei sprach von einem friedlichen Verlauf und meldete keine besonderen Zwischenfälle, obwohl sich entlang der Strecke auch eine kleine Gruppe von Gegendemonstrant:innen versammelt hatte.
Neue Eintrittsregelung sorgt für Diskussion
Nach der Parade versammelten sich viele Teilnehmende auf der Schützeninsel im Pride Park. Dort fand ein umfangreiches Bühnenprogramm mit Konzerten und Redebeiträgen statt. In diesem Jahr war der Zugang zum Park erstmals kostenpflichtig. Der Eintritt betrug 200 Kronen (rund acht Euro) und wurde unter den Besucher:innen kontrovers diskutiert.
Einige äußerten die Sorge, dass die Gebühr Menschen von einer Teilnahme abhalten könnte, während andere Verständnis dafür zeigten. Die Veranstalter:innen verwiesen auf gestiegene Kosten und sinkende Sponsorengelder. Kinder unter 15 Jahren, Senior:innen ab 65 und Menschen mit Behinderungen konnten den Park weiterhin kostenlos besuchen.
Klare Botschaften vor den Wahlen
Die Parade hatte in diesem Jahr eine ganz klare politische Dimension. Vor den Parlamentswahlen im Oktober riefen die Organisator:innen dazu auf, demokratische Werte aktiv zu verteidigen. „Das Festival versteht sich auch als Mobilisierung – nicht nur zum Feiern, sondern auch zum Handeln“, sagte Hronová.
Trotz der angespannten politischen Lage in der Region dominierten bei der Parade ausgelassene Stimmung, Musik und starke Solidarität. Viele Teilnehmer:innen betonten gegenüber den Medien, wie wichtig es sei, gerade in diesen Zeiten öffentlich für Gleichberechtigung und Akzeptanz einzutreten.
Die Veranstalter:innen sprachen am Samstag von einem gelungenen, friedlichen Tag mit hoher Beteiligung. Auch in den kommenden Jahren soll die Prague Pride ein Zeichen für Sichtbarkeit, Freiheit und Vielfalt setzen.

