HomeNewsChronikEx-Soldaten wegen Vergewaltigung eines Kameraden vor Gericht

Ex-Soldaten wegen Vergewaltigung eines Kameraden vor Gericht

Zwei frühere Soldaten des Wachbataillons stehen derzeit in Berlin vor Gericht. Sie sollen einen Kameraden misshandelt und vergewaltigt haben.

Vor dem Berliner Landgericht hat ein brisanter Prozess gegen zwei ehemalige Soldaten des Wachbataillons begonnen. Die 35 und 31 Jahre alten Männer stehen unter dem Verdacht, einen damaligen Kameraden zwischen Februar und Mai 2021 in der Julius-Leber-Kaserne in Berlin-Reinickendorf brutal misshandelt und sexuell missbraucht zu haben. In einem besonders schweren Fall sollen sie den Soldaten gemeinsam vergewaltigt haben.

“Wolfsrudel” und rechtsextreme Tendenzen

Mitangeklagt ist ein dritter Mann (36), der dem Geschehen beigewohnt, aber nicht eingegriffen haben soll. Zum Auftakt des Verfahrens blieb er jedoch unentschuldigt fern. Die Verlesung der Anklage wurde deshalb vertagt. Gegen ihn beantragte die Staatsanwaltschaft Haftbefehl. Die Verlesung der Anklage ist für den zweiten Prozesstag, den 26. August, angesetzt.

Hintergrund der Ermittlungen war ursprünglich der Verdacht auf Rechtsextremismus innerhalb des Wachbataillons. Im Zuge dieser Ermittlungen wurden auch jene Praktiken bekannt, die nun vor Gericht verhandelt werden. Demnach gehörten entwürdigende Rituale und brutale Übergriffe zur Praxis der Gruppe.

Das Opfer ist als Nebenkläger beteiligt

Das mutmaßliche Opfer ist heute 24 Jahre alt und tritt im Prozess als Nebenkläger auf. Seine Anwältin betonte, dass er bis heute massiv unter den damaligen Ereignissen leidet. Laut Anklage wurde er unter anderem mit Zigaretten verbrannt, angepinkelt und schwer geschlagen.

In einem besonders schwerwiegenden Fall soll einer der Angeklagten ein Video aufgenommen haben, auf dem die Misshandlung und Vergewaltigung zu sehen sind, während ein weiterer Angeklagter tatenlos zuschaute. Bei einem anderen Vorfall sollen sich insgesamt sechs Männer auf den jungen Soldaten gestürzt haben, sodass er für mehrere Sekunden keine Luft bekam.

Die Ermittlungen führten im Oktober 2021 zu mehreren Durchsuchungen. Dabei wurden auch Mobiltelefone sichergestellt, darunter das Handy eines der Hauptangeklagten. Dieser behauptet, ihm sei die PIN unter Vorspiegelung falscher Tatsachen entlockt worden. Er sei übermüdet gewesen und habe keine rechtliche Aufklärung erhalten.

Müllabfuhr statt Eliteeinheit

Bereits 2022 erhob die Staatsanwaltschaft Anklage wegen gemeinschaftlicher Vergewaltigung, unterlassener Hilfeleistung und gefährlicher Körperverletzung. Insgesamt richtet sich die Anklage gegen vier Männer. Einer von ihnen gilt jedoch als nicht auffindbar, weshalb sein Verfahren eingestellt wurde.

Die beiden Hauptangeklagten waren früher protokollarisch im Dienst der Bundesrepublik tätig, unter anderem bei Staatsbesuchen, und arbeiten heute in zivilen Berufen. Einer ist Bauarbeiter, der andere arbeitet bei der Müllabfuhr. Beide sind Väter und sollen sich laut ihrer Verteidigung teilweise geständig gezeigt haben. Ein Urteil wird frühestens Ende September erwartet.

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