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Studie: Zwei Drittel der trans Personen in Berlin erleben Gewalt

Laut einer Untersuchung im Auftrag des Berliner Senats berichten 66 Prozent der befragten trans Personen von Gewalterfahrungen. Besonders oft treten Übergriffe in öffentlichen Räumen auf – aber auch in Behörden, Schulen und dem Gesundheitswesen gibt es massive Probleme.

Trans Personen in Berlin erleben laut einer aktuellen Studie des Instituts Camino überdurchschnittlich oft Gewalt, Diskriminierung und Ausgrenzung. Zwei Drittel der Befragten gaben an, in den vergangenen fünf Jahren Opfer transfeindlicher Übergriffe geworden zu sein. Knapp die Hälfte berichtete von solchen Erfahrungen allein im Jahr vor der Befragung. Die Studie entstand im Auftrag der Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung.

Auffällig sei, dass diese Gewalterfahrungen in rund 75 Prozent der Fälle mit explizit transfeindlichen Äußerungen einhergehen. Die Autor:innen der Studie – Albrecht Lüter, Dana Breidscheid und Sarah Riese – sprechen deshalb von einem „alltäglichen Risiko“ mit weitreichenden Folgen für die psychische Gesundheit, Bewegungsfreiheit und den Identitätsausdruck der Betroffenen.

Gewalt besonders häufig im öffentlichen Raum

Laut Studie kommt es am häufigsten in öffentlichen Räumen zu transfeindlichen Übergriffen, also auf Straßen, Plätzen oder im öffentlichen Nahverkehr. Aber auch staatliche Institutionen wie Behörden, Schulen und das Gesundheitswesen werden von vielen als problematisch erlebt. So berichten etwa 76 Prozent der Befragten von Diskriminierungserfahrungen im Gesundheitssystem, 72 Prozent nennen Behörden und das Internet.

Besonders alarmierend ist, dass drei Viertel der befragten trans Personen aus Angst bestimmte Gegenden meiden. Über die Hälfte versucht, sich durch unauffällige Kleidung zu schützen. Ein Drittel verzichtet auf Erkennungszeichen wie Regenbogen-Accessoires. Lediglich acht Prozent der Befragten sehen sich nicht gezwungen, solche Schutzstrategien anzuwenden.

Schule, Arbeit und Behörden im Fokus der Kritik

Im Bildungskontext manifestiert sich gemäß der Studie ein strukturelles Defizit: Trans Kinder und Jugendliche sind von Mobbing, zielgerichtlichem Misgendern oder Ausgrenzung betroffen. Das schulische Personal ist häufig nicht ausreichend auf geschlechtliche Vielfalt vorbereitet. Die Autor:innen fordern daher verbindliche Regelungen, klare Leitlinien und eine stärkere Berücksichtigung des Themas in den Rahmenlehrplänen.

Auch in der Arbeitswelt besteht erheblicher Handlungsbedarf. Insbesondere in der Berliner Verwaltung – einem der größten Arbeitgeber der Stadt – kommt es zu Diskriminierung durch veraltete, binär strukturierte Prozesse, transfeindliche Bemerkungen und gezieltes Misgendern. Die Studie empfiehlt unter anderem Fortbildungsangebote und die Einführung einer Transitionsrichtlinie.

Unsicherheit und Diskriminierung im Gesundheitssystem

Trotz medizinischer Fortschritte sehen die Studienautor:innen im Gesundheitswesen erheblichen Nachholbedarf. Zwar können Hormonbehandlungen und chirurgische Eingriffe den selbstbestimmten Ausdruck der Geschlechtsidentität unterstützen. 

Dennoch mangelt es dem medizinischen Personal oft an Wissen oder Sensibilität. In einzelnen Fällen kann dies sogar zu Zurückweisungen von Patientinnen führen. Eine stärkere Verankerung geschlechtlicher Vielfalt in der Aus- und Weiterbildung wird daher empfohlen.

Senatorin Kiziltepe warnt vor wachsender Queerfeindlichkeit

Die für Antidiskriminierung zuständige Senatorin Cansel Kiziltepe (SPD) zeigte sich besorgt über die Ergebnisse: „Queerfeindliche Stimmen in der Gesellschaft nehmen wieder zu. Sie richten sich gegen die Menschenrechte und die Gleichbehandlung von trans, inter und nicht-binären Menschen in allen Lebensbereichen.“ Dank der neuen Erkenntnisse könne das Land Berlin gezielter gegen Ungleichbehandlung und Gewalt vorgehen.

Gleichzeitig mahnen die Autor:innen, transfeindliche Gewalt müsse als strukturelles Problem anerkannt werden. Notwendig seien dauerhafte öffentliche Finanzierungen für Beratungsstellen, Schutzräume und Aufklärungsangebote – insbesondere angesichts jüngster Haushaltskürzungen bei queeren Projekten.

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