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Mehrheit der queeren Amerikaner will heiraten – doch die Ehe für alle ist bedroht

Eine aktuelle Studie des Pew Research Centers sorgt in den USA für Aufmerksamkeit. Demnach möchten 59 Prozent der queeren Erwachsenen heiraten. Zum Vergleich: In der heterosexuellen Bevölkerung liegt dieser Wert mit 63 Prozent nur leicht höher. An der im Jänner durchgeführten Umfrage nahmen knapp 9.000 Personen teil, darunter rund 4.000 Mitglieder der LGBTI-Community.

Deutlicher Anstieg seit der Eheöffnung

Der Wunsch zu heiraten ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Im Jahr 2013 hatten lediglich 28 Prozent der befragten Queers angegeben, heiraten zu wollen. Heute sind es mehr als doppelt so viele. Hintergrund ist das historische Urteil „Obergefell v. Hodges” aus dem Jahr 2015, das die Ehe für alle als verfassungsmäßiges Recht in den USA verankerte.

Auslöser war die Klage von Jim Obergefell, dessen Heimatstaat Ohio die Ehe mit seinem todkranken Partner John Arthur nicht anerkennen wollte. Der Supreme Court hob daraufhin staatliche Verbote gleichgeschlechtlicher Ehen auf – ein Meilenstein für die Rechte queerer Menschen.

Jüngere Generation mit großem Heiratswunsch

In der jüngeren Generation ist dieser Wunsch besonders ausgeprägt. So möchten 67 Prozent der 18- bis 29-jährigen Community-Mitglieder heiraten. In der Altersgruppe der 30- bis 49-Jährigen liegt der Anteil bei 48 Prozent. Lediglich 12 Prozent der Befragten lehnen eine Ehe kategorisch ab, während 28 Prozent unsicher sind. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Einstellungen in der LGBTI-Community in den vergangenen Jahren deutlich verändert haben.

Ein weiteres Thema der Umfrage war der Kinderwunsch. Hier zeigen sich Unterschiede zwischen heterosexuellen und queeren Paaren. So möchten 47 Prozent der heterosexuellen Befragten unter 50 Jahren Kinder haben, in der LGBTI-Community sind es nur 33 Prozent. 39 Prozent gaben an, keinen Nachwuchs zu wollen, 28 Prozent sind noch unentschlossen.

Beim Thema Coming-out wurden ebenfalls Unterschiede sichtbar. Etwa ein Drittel der schwulen und lesbischen Befragten wusste bereits vor dem 10. Geburtstag von der eigenen sexuellen Orientierung. Weitere 35 Prozent waren sich mit 13 Jahren sicher, während 29 Prozent erst später Klarheit gewannen. Bei bisexuellen Menschen trat das Bewusstsein tendenziell später ein, doch auch hier hatte rund die Hälfte schon vor dem 14. Lebensjahr entsprechende Gefühle.

Clinton warnt vor Rückschritten

Die politische Lage in den USA könnte die Zukunft der Ehe für alle jedoch erneut infrage stellen. Der Supreme Court befasst sich derzeit mit mehreren Fällen, die die Gleichstellung bedrohen. Die konservative Klägerin Kim Davis, die sich 2015 aus religiösen Gründen geweigert hatte, einem gleichgeschlechtlichen Paar eine Heiratslizenz auszustellen, hat den Streit erneut vor Gericht gebracht.

In einem Interview mit Fox News warnte die ehemalige US-Außenministerin Hillary Clinton: „Ich denke, sie werden mit der Ehe das Gleiche machen wie mit der Abtreibung: Sie werden es an die Bundesstaaten zurückgeben.“ Clinton rief queere Paare in den USA zu schnellen Entscheidungen auf: „Jede Person in der LGBTIQ-Community, die in einer festen Beziehung lebt, sollte lieber früher als später heiraten.“

Zugleich stellte sie klar, dass sie nicht glaubt, dass bestehende gleichgeschlechtliche Ehen aufgehoben würden: „Aber ich fürchte, dass sie das nationale Recht aufheben werden.“

Wirtschaftliche Bedeutung gleichgeschlechtlicher Hochzeiten

Seit der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs hat sich die Zahl der verheirateten gleichgeschlechtlichen Paare stark erhöht. Laut dem Williams Institute gibt es heute mindestens 823.000 verheiratete queere Paare in den USA. Fast 299.000 von ihnen ziehen Kinder groß.

Die Eheschließungen haben auch wirtschaftliche Folgen. Seit 2015 haben gleichgeschlechtliche Eheschließungen einen Umsatz von rund 5,9 Milliarden US-Dollar generiert. Zusätzlich flossen über 430 Millionen US-Dollar an staatlichen und lokalen Steuereinnahmen.

Zehn Jahre nach dem bahnbrechenden Urteil steht die Ehe für alle in den USA also erneut auf dem Prüfstand. Während die Mehrheit der queeren Bevölkerung den Traum von einer Ehe hegt, bleibt unklar, wie lange dieses Recht noch bundesweit gesichert ist.

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