Am Samstagabend gegen 21.30 Uhr ist in Göttingen ein verbotener Sprengkörper auf dem Albaniplatz explodiert. Drei Menschen wurden verletzt und mussten medizinisch versorgt werden. Tausende hatten zuvor den Christopher Street Day (CSD) in der Innenstadt gefeiert, der mit einem Straßenfest am Albaniplatz endete.
Staatsschutz ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung
Die Polizei Göttingen teilte zunächst mit: „Strafrechtlich handele es sich wohl um gefährliche Körperverletzung, ein politisches Motiv werde nicht ausgeschlossen.“ Konkrete Hinweise auf einen solchen Hintergrund lägen jedoch bislang nicht vor. Zeug:innen, die verdächtige Beobachtungen gemacht oder Aufnahmen besitzen, wurden gebeten, sich zu melden.
Das „Bündnis gegen Rechts Göttingen“ kritisierte diese Informationspolitik der Polizei deutlich: „Wir fragen uns, warum der Anfangsverdacht einer queerfeindlichen, gegen den CSD gerichteten Straftat von der Polizei verschwiegen wird und es an den Betroffenen liegt, diese wichtige Information in die Öffentlichkeit zu tragen“, so Sprecher Ezra Rudolph.
Nach Angaben des Bündnisses berichteten Betroffene, dass sie vor dem Angriff beleidigt worden seien. Außerdem hätten die mutmaßlichen Täter den CSD bereits mehrere Stunden lang beobachtet.
Einschätzung der CSD-Organisatoren
Auch der Versammlungsleiter des Göttinger CSD äußerte sich öffentlich in sozialen Netzwerken. In einem Instagram-Post schrieb er, die LSBTI-Stelle der Polizei habe den Vorfall am Albaniplatz als „wahrscheinlich queerfeindlich“ eingestuft.
Die Polizei Göttingen betonte daraufhin: „Konkrete Hinweise auf eine mögliche politische oder queerfeindliche Motivation durch die unbekannte Täterschaft sind der Polizei aus den vorliegenden Befragungen bislang nicht zu entnehmen gewesen und es auch nach aktuellem Ermittlungsstand nicht sind.“ Gleichwohl sei diese Möglichkeit von Beginn an in die Ermittlungen einbezogen worden.
Nun ermittelt der niedersächsische Staatsschutz. Wer am Samstagabend im Bereich des Albaniplatzes verdächtige Personen gesehen oder Aufnahmen gemacht hat, die bei den Ermittlungen helfen können, wird gebeten, sich unter der Telefonnummer +49/(0)551/491-2215 zu melden.

