Wie die BBC berichtet, bieten Kliniken für Sexualgesundheit in Großbritannien ab sofort landesweit Impfungen gegen Gonorrhoe an. Zunächst richtet sich das Angebot an Risikogruppen, insbesondere an schwule und bisexuelle Männer mit wechselnden Sexualpartner:innen oder mit früheren sexuell übertragbaren Infektionen.
Impfstoff ursprünglich gegen Meningitis entwickelt
Laut NHS England handelt es sich um die erste großflächige Anwendung eines Gonorrhoe-Impfstoffs weltweit. Die Gesundheitsbehörde rechnet damit, innerhalb der nächsten zehn Jahre bis zu 100.000 Infektionen zu verhindern und so Kosten in Höhe von rund acht Millionen Pfund einzusparen.
Der verwendete Impfstoff wurde ursprünglich entwickelt, um Kleinkinder vor Meningitis B zu schützen. Da die Erreger von Meningitis B und Gonorrhoe eng verwandt sind, zeigte sich in Studien auch eine Schutzwirkung gegen Gonorrhoe mit einer Wirksamkeit von rund 30 bis 40 Prozent.
„Ein großer Erfolg für die sexuelle Gesundheit“, kommentierte die britische Hilfsorganisation Terrence Higgins Trust gegenüber der BBC die Entscheidung zur Einführung.
Rekordzahlen und zunehmende Resistenzen bereiten Sorge
Gonorrhoe wird durch Bakterien übertragen und ist eine der häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen. Allein im Jahr 2023 wurden in Großbritannien mehr als 85.000 Fälle gemeldet – so viele wie noch nie seit Beginn der Erhebungen vor fast 100 Jahren.
Die Krankheit verläuft häufig symptomlos, kann aber auch Schmerzen, Ausfluss, Entzündungen oder Unfruchtbarkeit verursachen. Besonders besorgniserregend ist laut Ärzten die wachsende Zahl antibiotikaresistenter Stämme.
Impfaufruf durch Gesundheitsbehörden
Dr. Amanda Doyle vom NHS betont: „Es ist wichtig, dass alle Anspruchsberechtigten das Impfangebot wahrnehmen, um sich und andere zu schützen.“ Richard Angell vom Terrence Higgins Trust sieht im Impfstoff ebenfalls eine „bemerkenswerte Erweiterung unseres Werkzeugs für sexuelle Gesundheit“.

