HomeNewsChronikVier Männer tot in der Seine – Ermittler prüfen homofeindliches Motiv

Vier Männer tot in der Seine – Ermittler prüfen homofeindliches Motiv

In einem Pariser Vorort wurden vier Männerleichen entdeckt. Ein junger Obdachloser sitzt in Untersuchungshaft. Ermittler gehen nicht nur von Serienmorden aus, sondern prüfen auch gezielt ein schwulenfeindliches Motiv.

Am 13. August schlug ein Passant in Choisy-le-Roi, südöstlich von Paris, Alarm: Er hatte eine Leiche im Wasser der Seine gesehen. Bei der anschließenden Suche fanden Polizei und Feuerwehr drei weitere Körper. Alle vier Toten waren Männer, zwei von ihnen wiesen Spuren von Strangulation und Gewalt auf.

Verdacht auf homofeindliche Serie von Morden

Die Ermittler schließen nicht aus, dass die Opfer wegen ihrer tatsächlichen oder vermuteten sexuellen Orientierung ins Visier geraten sind. Der Fundort an der Seine ist seit Jahren als Cruising-Ort bekannt, an dem Männer schwulen Sex suchen. Laut Ermittler:innen war der Verdächtige dort regelmäßig gesehen worden.

Die Organisation Stop Homophobie reagierte mit scharfen Worten: „Wir können die homophobe Dimension dieses Falls nicht ausblenden.“ Der Anwalt der Gruppe, Étienne Deshoulières, betonte: „Nur wenn die Motive vollständig aufgeklärt werden, kann verhindert werden, dass die Justiz die Ursachen dieser Gewalt übersieht.“

24-Jähriger unter dringendem Tatverdacht

Die Staatsanwaltschaft Créteil teilte mit, dass ein 24-jähriger Mann am 24. August wegen mehrfachen Mordes angeklagt und in Untersuchungshaft genommen wurde. Nach eigenen Angaben ist er Algerier und nennt sich Ahmed. Ermittler fanden jedoch Dokumente, die ihn als Tunesier namens Monji H. ausweisen. Der Mann lebte seit Jahren ohne festen Wohnsitz am Rand der Gesellschaft.

Während seiner 96-stündigen Polizeigewahrsam schwieg er zu den Vorwürfen oder bestritt jede Beteiligung. Sein Anwalt, Antoine Ory, erklärte: „Mein Mandant hat von seinem Recht auf Schweigen Gebrauch gemacht. Er wird sich im weiteren Verlauf äußern.“

Indizienlage spricht gegen den Verdächtigen

Schon vor dem Fund der Leichen geriet der Mann ins Visier der Polizei. Am 5. August kontrollierten Beamte ihn in seinem Unterschlupf und fanden Mobiltelefone, Bankkarten und Ausweispapiere, die zwei der Opfer gehörten. Ermittler stellten außerdem fest, dass der Verdächtige eine SIM-Karte und eine Bankkarte von Opfern genutzt haben soll.

Forensiker fanden zudem Blutspuren eines 48-jährigen Opfers aus Créteil, an seiner Kleidung. „Die Indizien sind schwerwiegend“, sagte ein Ermittler der Tageszeitung Le Parisien.

Opfer aus Frankreich, Algerien und Tunesien

Die vier Getöteten waren neben dem 48-jähriger Franzose noch zwei 21-jährige Algerier und ein 26-jähriger Tunesier. Zwei von ihnen waren obdachlos. Laut Behörden gibt es keine Hinweise darauf, dass sie sich untereinander kannten.

Gerade diese Tatsache bestärkt die Ermittler in ihrer Annahme, dass sie wegen ihres Umfelds oder ihrer sexuellen Orientierung gezielt ausgewählt worden sein könnten. Französische Medien sprechen daher von einer möglichen homofeindlichen Mordserie.

Aufklärung soll Licht in Motivlage bringen

Die Ermittlungen laufen unter Hochdruck. Polizei und Staatsanwaltschaft wollen klären, ob es sich um eine Serie homophob motivierter Morde handelt. Die weiteren Ermittlungen und das Gerichtsverfahren sollen Klarheit in diese Frage bringen.

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