Am Mittwochmorgen wurde die Annunciation School im Süden von Minneapolis zum Tatort. Der 23-jährige Robin Westman, der sich als trans identifizierte, schoss mit einem Gewehr durch die bunten Glasfenster der katholischen Kirche, in der am ersten Schultag Kinder und Familien die Messe feierten.
Zwei Kinder im Alter von acht und zehn Jahren starben, 14 weitere Kinder sowie drei Erwachsene wurden verletzt, zwei davon lebensgefährlich. Westman war mit mehreren Waffen ausgerüstet und nahm sich nach der Tat auf dem Parkplatz das Leben.
Welle von Hass gegen trans Community
Noch bevor alle Fakten geklärt waren, wurde im Netz massiv Hass gegen trans Menschen geschürt. Bürgermeister Jacob Frey reagierte deutlich: „Ich habe von viel Hass gegen unsere trans Community gehört. Wer diesen Moment nutzt, um trans Menschen oder andere Gruppen zu dämonisieren, hat sein Mitgefühl verloren. Kinder sind gestorben. Es muss um sie gehen.“
Auch die LGBTI-Organisation GLAAD warnte vor vorschnellen Schuldzuweisungen. „Familien und eine ganze Gemeinde sind geschockt und trauern. Der Fokus muss auf ihnen liegen, nicht auf Spekulationen über den Täter“, erklärte ein Sprecher.
In einer Stellungnahme stellte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Campaign (HRC) klar: „In einem Moment intensiver nationaler Trauer eine marginalisierte Gruppe zum Sündenbock zu machen, ist falsch und gefährlich.“
Menschenrechtsgruppen verteidigen trans Community
Brandon Wolf, Pressesprecher der HRC und Überlebender des Massakers im Pulse-Nightclub, bezeichnete die Tat als „verheerend und vermeidbar“. Er verwies auf fast 60 Schulschießereien im Jahr 2025 und kritisierte blockierte Reformen im Waffenrecht. „Das wahre Problem ist die Epidemie der Waffengewalt in den USA“, sagte er.
Daten des Gun Violence Archive stützen diese Sichtweise. Seit 2014 wurden weniger als 0,2 Prozent der Massenschießereien von trans Personen verübt. Gleichzeitig sind queere Menschen selbst überproportional häufig Opfer solcher Angriffe.
Rechte nutzen die Tat zur Hetze gegen trans Menschen
Während Bürgerrechtsorganisationen zur Besonnenheit aufriefen, nutzten erzkonservative Stimmen den Fall, um eine regelrechte Jagd auf trans Menschen zu starten. Kommentator:innen und Politiker:innen konstruierten einen Zusammenhang zwischen Transidentität und Gewalt.
So forderte etwa ein ehemaliger Mitarbeiter des ehemaligen Vizepräsidenten Mike Pence, Genderdysphorie solle künftig als psychische Erkrankung eingestuft werden, um den Zugang zu Waffen zu beschränken.
Auch die extrem rechte Abgeordnete Marjorie Taylor Greene sprach von einem „medizinisch-industriellen Komplex“, der junge Menschen in die Irre führe, und verlangte ein Verbot geschlechtsangleichender Behandlungen für Minderjährige.
Aktivist:innen fordern Ende der Waffengewalt
Der erzkonservative Aktivist Charlie Kirk kritisierte auf X, dass sich Bürgermeister Frey mehr um das Image der trans Community kümmere als um die katholischen Familien, die ihre Kinder verloren hätten.
Menschenrechtsgruppen wehrten sich entschieden gegen solche Hetzbotschaften. „Tragödien wie diese dürfen nicht benutzt werden, um trans Menschen zu stigmatisieren”, betonten sie. Stattdessen müsse der Fokus auf Waffengewalt und den Schutz von Kindern gelegt werden.

