In den vergangenen Tagen sind mindestens vier Menschen in Orlando im US-Bundesstaat Florida festgenommen worden, weil sie die Regenbogen-Zebrastreifen am früheren Nachtclub „Pulse“ mit Kreide nachgezeichnet hatten. Dieser Ort gilt vielen als zentrales Mahnmal für die 49 Opfer des Attentats im Jahr 2016.
Verkehrsbehörde entfernte Regenbogen – Aktivisten reagierten
Die Florida Highway Patrol nahm zunächst den 29-jährigen Orestes Sebastian Suarez fest. Ihm wurde vorgeworfen, die Fahrbahn mit Kreidefarben bemalt und somit ein „Verkehrsgerät“ beschädigt zu haben. Ein Richter sah jedoch keinen hinreichenden Tatverdacht und ordnete seine sofortige Freilassung an.
Kurz darauf wurden drei weitere Demonstrierende – Maryjane East (25), Donavon Short (26) und Zane Aparicio (39) – unter ähnlichen Vorwürfen festgenommen. Auch sie sind inzwischen ohne Anklage wieder frei.
„Mit einem möglichen Strafmaß wegen einer schweren Straftat bedroht zu werden, nur weil man protestiert und Liebe zeigt, ist einfach verrückt“, sagte Suarez dem Lokalsender WESH 2.
Schilder verbieten Kreide – dennoch tägliche Proteste
Seit die Verkehrsbehörde von Florida in einer nächtlichen Aktion am 21. August die Regenbogenfarben übermalte, finden am Ort täglich Proteste statt. Die Demonstrierenden zeichnen die Farben mit Kreide nach und ergänzen sie manchmal um Botschaften wie „Love wins“ oder „You can’t erase us“.
Nach den ersten Festnahmen stellten die Beamten Hinweisschilder auf, die das „Beschädigen von Straßen und Gehwegen” ausdrücklich untersagen. Trotzdem gibt es weiterhin Aktionen mit Kreide – inzwischen sogar auf den Gehsteigen rund um das Rathaus von Orlando.
„Meine Freunde sind hier gestorben. Das ist ihr Denkmal, es gehört ihnen“, erklärte der Demonstrant Robby Dodd dem Online-Magazin Click Orlando.
Politische Vorgaben und Sicherheitsargumente
Die Entfernung des Regenbogens auf dem Zebrastreifen vor dem Nachtclub erfolgte auf Grundlage einer Direktive der US-Regierung unter Präsident Donald Trump. Im Sommer hatte Verkehrsminister Sean Duffy angewiesen, „Ablenkungen“ auf öffentlichen Straßen zu beseitigen. Gouverneur Ron DeSantis unterstützte diesen Kurs und erklärte: „Wir werden nicht zulassen, dass unsere Straßen für politische Zwecke missbraucht werden.“
Das Verkehrsministerium argumentierte, man müsse für Einheitlichkeit und Sicherheit auf den Straßen sorgen. Eine Analyse des Orlando Sentinel kommt jedoch zu einem anderen Ergebnis: Auffällige Markierungen an Kreuzungen könnten Unfälle sogar reduzieren. Ähnliche Ergebnisse habe es auch aus anderen Städten Floridas gegeben.
Anwälte kritisieren Vorwürfe
Jurist:innen zweifeln an der Haltbarkeit der Vorwürfe gegen die Aktivist:innen. „Wasserlösliche Kreide, die im Regen verschwindet, kann unmöglich Schäden in Höhe von über 1.000 Dollar verursacht haben“, erklärte Verteidiger Blake Simons dem Sentinel.
Währenddessen bleibt die Polizei vor Ort präsent. Regelmäßig stehen zwei Streifenwagen der Highway Patrol in der Nähe der Kreuzung. Unterdessen versorgen sich die Aktivisten mit Kreide, Fahnen und Snacks. Ein Ende der Proteste ist bislang nicht absehbar.

