HomeNewsStars & PromisGiorgio Armani ist tot: Der letzte große Mode-Klassiker stirbt mit 91 Jahren

Giorgio Armani ist tot: Der letzte große Mode-Klassiker stirbt mit 91 Jahren

Der als "Re Giorgio" verehrte Designer prägte ein halbes Jahrhundert Modegeschichte. Er starb im Kreis seiner Familie.

Giorgio Armani, einer der bedeutendsten Modedesigner der letzten fünfzig Jahre, ist am heutigen Donnerstag im Alter von 91 Jahren verstorben. Er starb einer Mitteilung seines Unternehmens zufolge im Kreise seiner Familie, nachdem er sich in den vergangenen Monaten von einem Krankenhausaufenthalt erholt hatte, der bis zuletzt geheim gehalten worden war.

Bis zuletzt arbeitete er an seinen Shows

Armani, der im Juli seinen 90. Geburtstag gefeiert hatte, arbeitete bis zuletzt. Zwar konnte er die Männer- und Haute-Couture-Schauen nicht mehr persönlich besuchen, doch er verfolgte die Proben via Facetime und korrigierte seine Mitarbeitenden, wenn Abläufe nicht reibungslos verliefen.

Selbst in den letzten Tagen kümmerte er sich noch aktiv um die Vorbereitungen der Modenschau zum 50-jährigen Jubiläum seines Labels, die für den 28. September in der Accademia di Brera in Mailand geplant war.

Ein Leben für die Mode – von Piacenza bis Paris

Giorgio Armani wurde am 11. Juli 1934 in Piacenza geboren und zog 1949 mit seinen Eltern nach Mailand. Er begann ein Medizinstudium, kehrte nach Ableisten der Wehrpflicht jedoch nicht an die Universität zurück. Stattdessen arbeitete er zunächst als Schaufensterdekorateur bei La Rinascente, einem der renommiertesten Kaufhäuser Italiens.

Seine Karriere als Designer begann im Jahr 1965, als Nino Cerruti ihn ohne jegliches Vorwissen engagierte. 1975 gründete er zusammen mit seinem Lebens- und Geschäftspartner Sergio Galeotti sein eigenes Label Giorgio Armani. Der erste große Erfolg stellte sich bereits 1976 mit der Debütkollektion im Mailänder Plaza Hotel ein.

Die Legende besagt, dass Armani kurz vor der Show eigenhändig Punkte auf die Stoffe malte, da die Zeit für die Produktion gefehlt hatte. Jahre später sagte er dazu: „Intuition ist alles. Sie ist die Fähigkeit, ein Gefühl oder einen Eindruck aus dem Alltag zu greifen und daraus etwas Neues zu schaffen.”

Der Revolutionär der Silhouette

Armani veränderte mit seiner Vision die Modewelt. Im Jahr 1980 präsentierte er die berühmte „destruierte Jacke“ – ein Sakko ohne harte Einlagen, das weich und fließend fiel, aber dennoch elegant wirkte. Dieses Kleidungsstück wurde zu seinem Markenzeichen und ist bis heute ein Symbol für ein neues Selbstverständnis von Kleidung – sowohl für Frauen als auch für Männer.

„Niemand hat die Zeit so verstanden wie er“, hieß es oft in der Branche. Armani distanzierte sich früh von saisonalen Trends und konzentrierte sich darauf, Kleidung zu entwerfen, die den Menschen diente – und nicht dem Laufsteg. 1982 erschien er als zweiter Modedesigner nach Christian Dior auf dem Cover des Time Magazine.

Vom Laufsteg bis zum roten Teppich

Mit Emporio Armani, das er 1981 gründete, eroberte er die junge Generation. Mit EA7, Armani Jeans und Accessoires mit dem Adler-Logo wurden seine Designs zum festen Bestandteil urbaner Mode weltweit. Auch im Sportbereich machte er sich einen Namen. Er kleidete die italienische Olympiamannschaft ein und übernahm im Jahr 2008 den Basketballverein Olimpia Milano.

2005 feierte Armani mit der Haute-Couture-Linie „Armani Privé” sein Debüt in Paris. Die Linie wurde schnell zum Favoriten der Hollywoodstars. Zudem entwarf er Uniformen für Alitalia und gestaltete Werbeflächen in Mailand, die bis heute als Ikonen der Stadt gelten.

Rückhalt aus der Familie und ein klares Erbe

Nach dem Tod von Sergio Galeotti im Jahr 1985 übernahm Giorgio Armani die alleinige Führung des Unternehmens. Unterstützt wurde er dabei von seiner Schwester Rosanna, deren Sohn Andrea Camerana sowie seinen Nichten Silvana und Roberta Armani. Zu seinem engsten Kreis gehörte auch sein enger Mitarbeiter Leo Dell’Orco, der für die Männermode verantwortlich war.

Um den Fortbestand des Unternehmens zu sichern, gründete Armani eine Stiftung, die nach seinem Tod die Geschicke seines Imperiums lenken soll. Gerüchte über einen Verkauf, etwa an L’Oréal, oder eine Fusion mit Ferrari wies er stets entschieden zurück: „Die Marke bleibt in der Familie“, betonte er wiederholt.

Engagement in Krisenzeiten

Armani war ein Visionär der Mode und zeigte in schwierigen Zeiten Haltung. Während der Corona-Pandemie im Jahr 2020 war er der erste Designer, der auf Live-Shows verzichtete und seine Kollektion unter Ausschluss der Öffentlichkeit präsentierte. Er spendete Millionen an Hilfsorganisationen und stellte in seinen Fabriken dringend benötigte Schutzkittel für Krankenhäuser her.

Auch politisch zeigte er Haltung: Im Februar 2022 ließ er aus Respekt vor den Opfern des Ukraine-Kriegs seine Show ohne Musik stattfinden – eine stille, aber eindrucksvolle Geste.

Im Mai 2023 verlieh ihm die Katholische Universität Piacenza die Ehrendoktorwürde. Der Andrang war so groß, dass der Verkehr der Stadt zum Erliegen kam.

Abschied eines Ausnahmegestalters

Giorgio Armani war weit mehr als nur ein Modedesigner. Er war Architekt des Stils, Erneuerer der Kommunikation und Botschafter italienischer Eleganz weltweit. In seinen letzten Jahren eröffnete er nicht nur neue Hotels und Wohnanlagen, sondern schuf mit dem „Armani/Silos” auch ein Zentrum für Mode, Design und Fotografie.

Zuletzt war er trotz körperlicher Einschränkungen auf dem Deck seiner Yacht zu sehen, wo er Fans grüßte und für Fotos posierte. Seine letzte Kollektion, die er in Paris präsentierte, wurde von der Kritik als eine der besten der Saison gefeiert. Armani blieb sich bis zum Schluss treu – kreativ, diszipliniert und unabhängig.

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