Mads Ananda Lodahls Roman „Sauna“, der nun auch auf Deutsch erschienen ist, führt mitten hinein in Kopenhagens queere Nachtwelt. Der Autor, selbst seit Jahren in der LGBTI-Bewegung aktiv, erzählt von Johan, der im schwulen Saunaclub „Adonis“ arbeitet und dort nach Inspiration für ein Leben jenseits klassischer Beziehungsnormen sucht.
Als er sich in William verliebt, der trans ist, beginnt die fragile Freiheit im Club zu bröckeln. William wird ausgeschlossen, Johan radikalisiert sich – und schon bald kippt die Geschichte von erotischer Begegnung zu einer fiebrigen Mischung aus Sabotage, Blaulicht und Verfolgungsjagden.
Politthriller mit erotischer Aufladung
Lodahl verzahnt Liebesgeschichte und Thriller-Elemente mit politischem Anspruch. Die dänische Tageszeitung Information nannte Sauna einen „queeren Politthriller, der Intimität und gesellschaftliche Realität unauflösbar miteinander verbindet“.
Diese Einschätzung passt: Erotik und Nähe erscheinen hier nicht nur als Privatangelegenheit, sondern immer auch als Teil einer sozialen Auseinandersetzung. Die Sauna wird zum Symbol – ein Raum für Lust, aber auch ein Schauplatz von Macht und Ausgrenzung.
Sprache zwischen Manifest und Liebesroman
Stilistisch arbeitet Lodahl mit kurzen, eindringlichen Sätzen, die den Text antreiben. Für die Zeitung Politiken schreibt er „mit der Dringlichkeit eines Pamphlets, aber mit der Sinnlichkeit eines Liebesromans“.
Figuren wie Johan und William sind weniger psychologisch fein ausgemalt als Träger von Ideen und Haltungen. Diese bewusste Reduktion verstärkt den Eindruck, dass Lodahl nicht nur eine Geschichte erzählt, sondern auch eine Haltung formuliert: Begehren ist hier ein politischer Akt.
Spannungen in queeren Räumen
Besonders hervorgehoben wurde von der schwedischen Sydsvenskan, dass Lodahl die „Spannungen innerhalb queerer Räume sichtbar macht – zwischen Begehren, Solidarität und den unsichtbaren Grenzen von Zugehörigkeit“.
Genau darin liegt die literarische Kraft des Romans: Was als erotische Utopie beginnt, entwickelt sich zu einem Spiegel der gesellschaftlichen Konflikte innerhalb der queeren Community. Die Frage, wie viel Diversität ein solcher Raum erträgt, durchzieht die Handlung wie ein roter Faden.
Literarische Eigenheiten und Wirkung
Neben der thematischen Schärfe fällt Lodahls Erzählweise auf. Szenen von Intimität wechseln abrupt zu Momenten der Gewalt. Der nüchterne Ton kontrastiert immer wieder mit fast poetischen Passagen, wodurch ein unruhiger Rhythmus entsteht. Diese Unruhe spiegelt Johans innere Zerrissenheit ebenso wie die prekäre Balance zwischen Lust und Ausschluss im „Adonis“.
Dass der Roman später als Vorlage für Mathias Broes’ gleichnamige Verfilmung diente, zeigt seine Relevanz auch über die Literaturszene hinaus. Sauna ist damit mehr als ein Debütroman: Es ist ein Text, der das Kopenhagener Nachtleben literarisch auflädt und zugleich große Fragen nach Identität, Gemeinschaft und Widerstand verhandelt.


