Mitten im andauernden Krieg in der Ostukraine hat am 30. August in Charkiw die KharkivPride begonnen. Nur rund 30 Kilometer von der russischen Grenze entfernt setzen sich Aktivist:innen in einer Stadt, die ständig bedroht ist, weiterhin für Gleichberechtigung und Sichtbarkeit ein.
Trotz Luftalarm, Kriegsangst und Angriffsdrohungen ließ sich die queere Community die Eröffnung des Festivals nicht nehmen – ein Akt des zivilen Widerstands und der Selbstbehauptung.
Rechte Gruppen forderten Abbruch des Festivals
Bereits zum Auftakt des mehrtägigen Festivals kam es zu einem Zwischenfall: Eine Gruppe aus rechten, nationalistischen und christlichen Kreisen versuchte, die Veranstaltung zu stören. Sie blockierten den Zugang zum PrideHub, einem Gemeinschaftsort der LGBTI-Community, und forderten, die Veranstaltung abzubrechen.
Die Polizei war den Organisator:innen zufolge mit deutlich mehr Kräften vor Ort als im Vorjahr und griff rechtzeitig ein. „Wir wurden im Vorfeld gewarnt, dass Vertreter:innen rechtsradikaler Gruppen aus Kiew anreisen könnten”, so Co-Organisatorin Anna Sharyhina. Nach einem Gespräch mit ihr verließen die Störer den Ort schließlich.
Polizei verhindert Eskalation
Die Polizei bestätigte den Vorfall gegenüber der Nachrichtenagentur UNN. Demzufolge versuchten „radikal gesinnte Jugendliche“, sich Zugang zum Gelände zu verschaffen. Die Einsatzkräfte reagierten umgehend, sperrten die Zugänge und beendeten eine kleinere Rangelei. Gerüchte über größere Auseinandersetzungen wies die Polizei als „Falschinformationen“ zurück.
„Unsere Dialogeinheit hat vor Ort mit den Beteiligten gesprochen und zur Deeskalation beigetragen“, so ein Sprecher der Polizei. Die Sicherheitslage in Charkiw bleibe angespannt, weshalb man weiterhin im erhöhten Einsatzmodus arbeite, um die öffentliche Ordnung sicherzustellen.
Solidarität mit der Front: Spenden für Panzerabwehrsystem
Der diesjährige Pride steht nicht nur im Zeichen der Vielfalt, sondern auch der Solidarität mit der ukrainischen Armee. Unter dem Motto „Gemeinsam für Gleichheit und Sieg“ sammeln die Organisator:innen Spenden für ein Panzerabwehrsystem der 46. Luftsturmbrigade. Damit wird der Kampf um Menschenrechte direkt mit dem militärischen Überlebenskampf des Landes verbunden.
Die seit 2019 jährlich stattfindende KharkivPride bietet auch in Kriegszeiten ein vielfältiges Programm. Dazu gehören Diskussionsrunden, Vorträge über queere Rechte in Kriegszeiten sowie ein Pride-Marsch. Für heute, Freitag, ist ein Gedenktag für queere Soldat:innen geplant, die im Krieg gefallen sind. Morgen, Samstag, folgt ein Autokorso durch die Stadt.

