Greg Louganis, Olympiasieger und eine der bekanntesten Persönlichkeiten im Wassersport, hat mit 65 Jahren einen radikalen Neuanfang gewagt. Er hat sein Haus in Kalifornien verkauft, drei seiner olympischen Medaillen versteigert und ist nach Panama ausgewandert. In einem ausführlichen Facebook-Post sprach er offen über die Beweggründe für diesen Schritt und seine Suche nach einem neuen Lebensabschnitt.
„Wenn das Leben weitergeht, was bist du bereit, zurückzulassen?“ – mit dieser Frage eröffnete Louganis seinen Beitrag. Er betonte, dass er nicht mehr der Mensch sei, für den er sich früher gehalten habe oder den andere in ihm sahen.
Drei Medaillen bringen Louganis über 430.000 Dollar
Der LGBTI-Seite Queerty zufolge erzielte die Auktion seiner Medaillen einen überraschend hohen Erlös. Die zwei Goldmedaillen und eine Silbermedaille aus den Olympischen Spielen 1984 und 1988 wurden ursprünglich auf rund 80.000 Dollar geschätzt, am Ende brachten sie gemeinsam 437.000 Dollar ein.
Louganis erklärte in seinem Post, dass er das Geld brauchte und deshalb offen mit seinen Motiven umgegangen sei. „Ich habe die Wahrheit gesagt: Ich brauchte das Geld. Während viele Menschen Unternehmen gründen und sie später gewinnbringend verkaufen, hatte ich eben meine Medaillen – und ich bin dankbar dafür.“
Greg Louganis verabschiedet sich vom Zuhause in Kalifornien
Auch sein Haus in Kalifornien hat Louganis verkauft. Gegenüber seinen Followern zeigte er sich zufrieden mit dem Verkauf. „Ich bin sehr glücklich mit den Menschen, an die ich das Haus verkauft habe“, schrieb er. Er habe es gesegnet, damit es den neuen Bewohnern Freude, Liebe, Frieden und Sicherheit bringe.
Für Louganis war auch die Erfahrung seiner Freunde mit den Waldbränden in Kalifornien ein Schlüsselmoment. Besonders die verheerenden Brände in Woolsey und Palisades hätten ihn beeinflusst. „Ich kenne viele Menschen, die alles verloren haben“, so Louganis. Die Stärke, mit der sie den Neuanfang gemeistert hätten, sei für ihn ein Vorbild gewesen.
Selbstfindung statt Selbstverleugnung
Louganis reflektierte in seinem Post auch über sein bisheriges Leben. Er habe sich oft selbst zurückgenommen, um anderen ein gutes Gefühl zu geben. „Ich denke, ich habe mir selbst nie wirklich zugetraut, was ich alles erreichen kann“, schrieb er. Dabei habe er seinem damaligen Trainer Ron O’Brien viel zu verdanken. „Ich war ein Instrument seiner Schöpfung – und es war mir eine Ehre, das zu sein.“
Nun wolle er herausfinden, wer Greg Louganis wirklich ist – fernab von Erwartungen und öffentlichem Druck. „Jetzt darf ich mich selbst entdecken – ohne den Lärm von außen.“ Ziel sei es, das Leben in all seinen Facetten zu erleben, mit Freude, Trauer, Wut und Mitgefühl.
Kein Rückzug aus der Öffentlichkeit
Trotz seines Umzugs nach Panama zieht sich Louganis nicht vollständig aus der Öffentlichkeit zurück. So hat er kürzlich einen Vertrag mit der Agentur Innovative Artists Entertainment unterschrieben. Diese wird ihn künftig in Bereichen wie Fernsehmoderation, Podcasts, Vorträgen und Markenpartnerschaften vertreten.
Louganis hatte bereits in den 1990er-Jahren öffentlich gemacht, dass er schwul ist, und später auch seine positive HIV-Diagnose bekannt gegeben. Seitdem setzt er sich aktiv für LGBTI-Rechte und HIV-Aufklärung ein.
In einem Video auf Facebook zeigte er sich bei seiner Ankunft in Panama-Stadt. Seinen Beitrag schloss er mit den Worten: „Ich melde mich aus Panama!“

