HomeMagazinFilmtipp„Sauna“ von Mathias Broe: Radikale Körperpolitik im schwülen Halbdunkel

„Sauna“ von Mathias Broe: Radikale Körperpolitik im schwülen Halbdunkel

Die Geschichte folgt Johan (Magnus Juhl Andersen), der als Barkraft im schwulen Saunaclub „Adonis“ arbeitet. Was zunächst nach einem Ort der Freiheit klingt, kippt ins Gegenteil, als er sich in William (Dilan Amin) verliebt – schön, charismatisch und trans.

Williams Ausschluss aus dem Club markiert den Bruch, der Johan radikalisiert. Zwischen Sabotageakten, Blaulicht und eskalierenden Nächten verwandelt sich die Sauna von einem Sehnsuchtsort in ein Labyrinth voller Gewalt und Verrat.

Unterstützt wird Andersen von einem intensiven Ensemble: Nina Rask, Klaus Tange und Peter Oliver Hansen füllen Nebenrollen, die dem Kammerspiel zusätzliche Tiefe verleihen.

- Werbung -

Wenn der Raum selbst zur Waffe wird

Regisseur Mathias Broe entscheidet sich für eine Bildsprache, die Intimität und Unruhe zugleich erzeugt. Die Kamera bleibt nah an den Körpern, verweilt auf Haut, Atem und Schweiß.

So wird der Film ein schonungsloses Stück Kino, das den Körper als politisches Terrain begreift. Lust und Verletzlichkeit erscheinen hier nicht als Gegensätze, sondern als zwei Seiten derselben Erfahrung.

Liebe im Blaulicht zwischen Drama und Thriller

Während Lodahls Roman von inneren Monologen lebt, verdichtet Broe die Handlung visuell und rhythmisch. Die Beziehung zwischen Johan und William bleibt das emotionale Zentrum, wird aber mit thrillerhaften Elementen aufgeladen:

Verfolgungen durch dunkle Korridore, heulende Sirenen, zerstörte Fassaden. Dadurch wirkt der Film gleichzeitig verstörend und befreiend.

Queere Räume unter Druck

Broe zeichnet die Sauna nicht als erotisches Setting, sondern als politischen Raum, in dem Solidarität, Macht und Ausschluss aufeinandertreffen.

Gerade in den Szenen, in denen William die Türen des Clubs verschlossen bleiben, wird deutlich, wie selbst queere Räume Exklusion reproduzieren.

Roman vs. Film: Verdichtung mit Preis

Während Lodahl im Roman eine Vielzahl an Nebenfiguren anlegt, reduziert Broe das Personal. Diese Straffung gibt dem Film eine größere Fokussierung, nimmt ihm aber die polyphone Breite des Buches.

Zudem ersetzt Broe Lodahls literarische Sprachrhythmen durch eine physische, fast dokumentarische Kameraarbeit. Die Sinnlichkeit bleibt, doch sie erscheint als rohe Körperlichkeit, weniger als poetische Reflexion.

Geteilter Applaus auf internationalen Festivals

Nach der Premiere in Kopenhagen lief Sauna auf mehreren Festivals. Beim Göteborg Film Festival reagierte das Publikum geteilt: gefeiert für seine Radikalität, kritisiert für seine Unerbittlichkeit. Auf der Berlinale Panorama stellte der deutsche Verleiher Salzgeber den Film vor.

Sauna ist mit 105 Minuten Laufzeit ein dichtes, kompromissloses Drama in dänisch-schwedischer Originalfassung mit deutschen Untertiteln – eine filmische Studie, die Nähe, Lust und Schmerz unauflösbar miteinander verschränkt.

Mehr Informationen
SaunaFilmPlakat
Sauna
Dänemark 2025 | Drama | FSK 16 | 105 Minuten
Regie: Mathias Broe | Besetzung: Magnus Juhl Andersen, Nina Rask, Dilan Amin, Klaus Tange, Peter Oliver Hansen

Aktuelle Empfehlungen