Die Berliner Polizei will künftig häufiger in Cruising-Gebieten kontrollieren, insbesondere im Volkspark Friedrichshain. Anlass sind mehrere schwulenfeindliche Übergriffe seit Jahresbeginn, darunter mindestens drei gewaltsame Zwischenfälle im August allein in diesem Park.
Berliner Polizei kündigt verstärkte Präsenz an
Ein Polizeisprecher sagte: „Derzeitigen Erkenntnissen zufolge kommt es aktuell zu einer Häufung von Straftaten in der Gegend der dortigen Cruising-Area, die dem queerfeindlich/homophoben Spektrum zuzuordnen sind.“ Die Einsatzkräfte seien „informiert und sensibilisiert“ worden. In den kommenden Wochen soll es insbesondere in den Nachtstunden häufiger Kontrollen im Volkspark geben.
Laut Polizei häufen sich auch in anderen bekannten Berliner Cruising-Zonen wie dem Tiergarten, der Hasenheide in Neukölln oder dem Parkplatz im Grunewald Übergriffe auf queere Männer.
Queerfeindliche Gewalt im Volkspark nimmt zu
Den Ausschlag für die neuen Maßnahmen soll ein besonders brutaler Vorfall im Volkspark Friedrichshain gegeben haben. Am 11. August griff eine Gruppe junger Männer gezielt mehrere schwule Männer an, umzingelte sie, beraubte sie und schlug sie brutal zusammen.
Die Polizei spricht von einem „scheinbar organisierten Angriff“, bei dem eine schwulenfeindliche Motivation vermutet wird. Der Staatsschutz des Landeskriminalamts hat die Ermittlungen aufgenommen, wie es bei allen mutmaßlichen Hassverbrechen der Fall ist.
Gewalt gegen queere Menschen nimmt generell zu
Bereits zu Jahresbeginn bestätigte die Polizei einen deutlichen Anstieg der Hasskriminalität gegen homo- und bisexuelle Personen. So ist die Zahl der registrierten Taten zuletzt um 27 Prozent gestiegen, wobei Schätzungen zufolge rund 90 Prozent der Übergriffe gar nicht erst angezeigt werden.
71,3 Prozent der dokumentierten Opfer sind schwule oder bisexuelle Männer, 26 Prozent sind lesbische oder bisexuelle Frauen. Die Mehrheit der Tatverdächtigen (87 Prozent) sind junge Männer.
Das Gewaltpräventionsprojekt Maneo berichtet ebenfalls von zunehmender Gewalt in Cruising-Gebieten. Offenbar rechnen viele Täter damit, dass ihre Opfer aus Angst oder Scham keine Anzeige erstatten. Die Polizei betont daher die Notwendigkeit, das Vertrauen in die Strafverfolgung zu stärken.
Kritik aus der queeren Community
Die angekündigte Polizeipräsenz stößt jedoch auch auf Kritik. So warnt der LSVD+ Berlin-Brandenburg davor, dass regelmäßige Kontrollen in Rückzugsorten wie Cruising-Gebieten eher abschreckend wirken könnten.
„Schutz bedeutet nicht: mehr Polizei an Orten, an denen queere Menschen sich zurückziehen“, erklärte Geschäftsführer Florian Winkler-Schwarz gegenüber der Jungle World. „Was Betroffene wirklich wollen, ist, ernst genommen zu werden, Ansprechpartner bei der Polizei zu haben und Schutz ohne Bevormundung zu erhalten.“
Winkler-Schwarz forderte spezialisierte Ansprechpartner:innen in allen Polizeibehörden sowie verpflichtende Schulungen im Umgang mit queerfeindlicher Gewalt. Die Täter müssten in den Fokus genommen werden, nicht das Verhalten der Opfer.
Neue Landesstrategie in Planung
Parallel zur verstärkten Polizeipräsenz wird derzeit in den Berliner Senatsverwaltungen eine neue Landesstrategie gegen Queerfeindlichkeit erarbeitet. Konkrete Maßnahmen werden derzeit noch beraten, sollen aber bald vorgestellt werden. Das Ziel besteht darin, gezielt gegen jene Hasskriminalität vorzugehen, von der vor allem Menschen in der queeren Community betroffen sind.

