Der Eurovision Song Contest (ESC) 2026 wirft seine Schatten voraus. Bei einer Sitzung des ORF-Publikumsrats bezifferte ORF-Generaldirektor Roland Weißmann am Donnerstag die erwarteten Nettokosten für den Sender auf rund 16 Millionen Euro. Damit liegen die Ausgaben etwas über jenen des ESC 2015, als das Großevent ebenfalls in Wien stattfand.
„Wir wollen sparsam agieren, aber dennoch eine spektakuläre Show liefern“, betonte Weißmann. Das vollständige Budget werde im Dezember vorgelegt. Auch das Sicherheitskonzept sowie das Veranstaltungsdesign müssen noch von der Europäischen Rundfunkunion (EBU) genehmigt werden.
Stadt Wien investiert über 22 Millionen Euro
Noch mehr als der ORF selbst wird die Stadt Wien für die Austragung aufbringen. Für das Großevent sind 22,6 Millionen Euro veranschlagt – deutlich mehr als die 17 Millionen Euro, die sie 2015 beisteuerte. Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) erachtet die Investition als wirtschaftlich sinnvoll, da die erwartete Wertschöpfung die Kosten bei Weitem übersteigen dürfte.
Laut den aktuellen Planungen wird die Wiener Stadthalle ab dem 30. März 2026 für den Aufbau und die Proben bezogen. Die beiden Halbfinalshows sind für den 12. und 14. Mai angesetzt, das große Finale soll am 16. Mai stattfinden. Im Jänner steht die Auslosung der Teilnehmerländer an.
Diskussion um Israel-Teilnahme sorgt für politische Spannung
Neben den organisatorischen Fragen bleibt auch die politische Dimension des Song Contests 2026 brisant. Mehrere Rundfunkanstalten, darunter aus Spanien, Irland, den Niederlanden und Slowenien, haben angekündigt, den Wettbewerb zu boykottieren, sollte Israel trotz des Kriegs in Gaza teilnehmen dürfen.
Der ORF hat sich hingegen klar positioniert: Generaldirektor Weißmann sprach sich offen für die Teilnahme Israels aus und erhielt dafür Rückendeckung vom ORF-Stiftungsrat. Die EBU will im Dezember über die endgültige Teilnehmerliste entscheiden. Bereits im Juli hatte der Verband eine Konsultation mit den 37 zuletzt teilnehmenden Ländern gestartet.
ORF setzt auf neue Formate und Social Media
Abseits der politischen Debatte und der Budgetplanung möchte der ORF den ESC auch digital stärker inszenieren. Beim Publikumsrat kündigte Weißmann neue Social-Media-Formate an, die das „Phänomen ESC“ auf moderne Weise begleiten sollen.
Ein aktuelles Beispiel: Ein Instagram-Video über den Song-Contest-Sieger „JJ“ Johannes Pietsch im Zusammenspiel mit dem ORF-Radiosymphonieorchester (RSO). Das Video erzielte laut Weißmann über 400.000 Views. Es ist damit einer der erfolgreichsten Social-Media-Beiträge des ORF außerhalb des News-Bereichs.

