Papst Leo XIV. hat sich deutlich gegen kirchliche Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare ausgesprochen. In einem Interview mit dem katholischen Nachrichtenportal Crux, das am Donnerstag vorab veröffentlicht wurde, sagte der neue Papst, solche Rituale verstießen „eindeutig gegen das von Papst Franziskus genehmigte Dokument Fiducia supplicans“.
Das 2023 veröffentlichte Dokument hatte erstmals überhaupt die Möglichkeit eröffnet, schwule und lesbische Paare zu segnen. Es betont jedoch, dass es sich dabei nicht um eine feierliche Zeremonie im Stil einer Eheschließung handeln dürfe. Genau diese Form der Segnung ist jedoch mittlerweile in mehreren Ländern Europas üblich – darunter auch in Österreich oder Deutschland.
Papst betont traditionelle Familienvorstellung
Der Papst erklärte im Interview weiter, die katholische Kirche könne zwar „alle Menschen segnen“, jedoch sei es nicht Ziel des Dokuments, eine ritualisierte Form für gleichgeschlechtliche Paare zu schaffen. „Das entspricht nicht der Lehre der Kirche“, betonte Leo XIV.
Gleichzeitig sagte er, dass jede Diskussion zu LGBTI-Themen innerhalb der Kirche zu starker Polarisierung führe. Man müsse darauf achten, diese Spaltung nicht weiter zu vertiefen. Seine persönliche Linie sei daher klar: „Ich werde, wie Papst Franziskus, weiterhin über den Wert der Familie sprechen – die Familie, die auf dem feierlichen Versprechen eines Mannes und einer Frau im Sakrament der Ehe beruht.“
Gegenüber queeren Gläubigen beteuerte Leo XIV., dass diese „keine schlechten Menschen“ seien. Es sei wichtig, Anderssein zu akzeptieren und Entscheidungen zu respektieren.
Scharfe Kritik von queerer Initiative „Out in Church“
Die katholische Initiative „Out in Church“ reagierte umgehend mit Kritik an den Äußerungen des Papstes. Ein Sprecher sagte der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA): „Sofern sich die katholische Sexuallehre nicht ändert, sind nicht-heterosexuelle Menschen oder Menschen, die nicht mit dem binären Geschlechtermodell übereinstimmen, in dieser Kirche nicht willkommen.“
Die Aussage des Papstes, LGBTI-Themen würden zur Spaltung führen, sei ein Signal, wohin sich die Kirche unter seiner Führung entwickle. Die Rückbesinnung auf die traditionelle Familie zeige eine „rückwärtsgewandte Sicht“. Dennoch wolle man weiter für Veränderungen eintreten. „Wir fordern weiterhin eine neue Hausordnung für diese Kirche, weil es hier um nicht weniger geht als um die Einhaltung und Umsetzung der Menschenrechte“, hieß es weiter.
„Sexuelle Orientierung ist keine Entscheidung“
Besonders scharf kritisierte die Initiative die Aussage des Papstes, man müsse akzeptieren, dass Menschen „in ihrem Leben Entscheidungen getroffen haben“. Das widerspreche wissenschaftlichen Erkenntnissen, so „Out in Church“: „Eine solche Äußerung entspricht nicht den Erkenntnissen der Humanwissenschaften.“
Papst Leo XIV. hatte in dem Interview klar gemacht, dass mit ihm keine Änderungen an der kirchlichen Sexualmoral zu erwarten seien. Damit setzt er eine konservative Linie fort, obwohl er selbst als gemäßigt-progressiv gilt. Vor seiner Wahl zum Papst hatte sich der frühere Kardinal Prevost selten öffentlich zu LGBTI-Themen geäußert.
Bewegung für Sichtbarkeit queerer Katholik:innen wächst
Die Initiative „Out in Church“ wurde 2022 öffentlich bekannt, als sich rund 125 Mitarbeitende und Mitglieder der katholischen Kirche in Deutschland als queer outeten. Sie forderten unter anderem eine Änderung des kirchlichen Arbeitsrechts, um Diskriminierung zu verhindern.
Ihr Ziel: Eine Kirche, die allen Menschen offensteht – unabhängig von sexueller Orientierung oder Geschlechtsidentität. Dieses Anliegen scheint durch die Aussagen des neuen Papstes erneut auf die Probe gestellt zu werden.

