HomeMagazinBuchtippTennis, Liebe, Identität: „Jenseits der weißen Linien“

Tennis, Liebe, Identität: „Jenseits der weißen Linien“

Mit „Jenseits der weißen Linien“ legt der Himmelstürmer Verlag einen Roman vor, der Coming-out, Spitzensport und eine intensive Liebesgeschichte miteinander verbindet.

Alexis, einst Tennis-Talent, hat den Sport hinter sich gelassen. Vor allem aber will er die Last vergessen, die sein Coming-out in der Öffentlichkeit mit sich brachte. Doch ein Wiedersehen mit seinem früheren Rivalen Leon Brunner bringt alles ins Wanken. 

Leon steht für Erfolg, Glanz und Bewunderung – und zugleich für Unsicherheiten hinter der Fassade. Was als vorsichtiges Treffen beginnt, entwickelt sich zu einer leidenschaftlichen Begegnung, die Alexis zwingt, sich seinen inneren Grenzen zu stellen.

Emotionen, die tragen

Schon mit wenigen Szenen gelingt es dem Autor Gönni C. Landsmann, Spannung und Nähe zwischen Alexis und Leon spürbar zu machen. Scham, Sehnsucht und die Angst vor öffentlichem Urteil sind präzise eingefangen. So driftet die Geschichte nicht ins Kitschige ab, sondern bleibt nachvollziehbar.

- Werbung -

Besonders stark ist die Symbolik des Sports. Tennis wird nicht nur als Kulisse beschrieben, sondern spiegelt innere Kämpfe wider. Weiße Linien stehen für Grenzen, Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit – und machen die Verbindung zwischen äußerem Wettkampf und innerem Ringen greifbar. „Die Linien sind nicht nur auf dem Court, sie sind auch in unseren Köpfen“, heißt es an einer Stelle.

Sichtbarkeit und Relevanz

Dass Landsmann Coming-out, Mut und Selbstannahme ins Zentrum stellt, gibt dem Roman Gewicht. Gerade im Liebesroman-Genre, das oft auf idealisierte Szenarien setzt, ist das ein anderer Ton. Alexis muss nicht nur sein Herz öffnen, sondern auch mit den Erwartungen von Medien, Fans und Gesellschaft umgehen.

Diese Verbindung von intimer Liebesgeschichte und öffentlichem Druck ist eine der größten Stärken des Buches. Sie macht „Jenseits der weißen Linien“ zu mehr als einem klassischen Romance-Roman.

Wo der Roman schwächelt

Während Alexis und Leon detailliert beschrieben sind, bleiben Nebenfiguren blass. Auch das Erzähltempo wirkt stellenweise ungleichmäßig. Manche Passagen springen abrupt in der Zeit, was emotionale Entwicklungen weniger intensiv erscheinen lässt.

Hinzu kommen Dialoge, die gelegentlich zu glatt wirken. In einem hochdramatischen Setting klingen manche Wortwechsel eher konstruiert als authentisch.

Emotionale Intensität und gesellschaftliche Relevanz

Schließlich bleibt die Handlung weitgehend im Erwartbaren eines Coming-out-Liebesromans. Überraschungen oder narrative Experimente, die das Genre aufbrechen könnten, fehlen.

„Jenseits der weißen Linien“ überzeugt dennoch durch emotionale Intensität und gesellschaftliche Relevanz, auch wenn nicht alle erzählerischen Mittel ausgeschöpft werden. Gönni C. Landsmann hat keinen literarisch radikalen Roman geschrieben, sondern eine gefühlvolle, nachvollziehbare Geschichte über Liebe und Identität.

Buchtipp
BuchtippTennisCover
Gönni Christian Landsmann
Jenseits der weißen Linien
Roman | 244 Seiten | Himmelstürmer
Jetzt bestellen:
Dieser Artikel enthält Affiliate-Links. Damit kannst du GGG.at unterstützen: Kommt über einen Klick auf den Link ein Einkauf zustande, erhalten wir eine Provision. Der Kaufpreis für Dich erhöht sich dadurch nicht.

Aktuelle Empfehlungen