Am Sonntag strömten Zehntausende nach Glendale im US-Bundesstaat Arizona, um dem verstorbenen Rechtsaußen-Aktivisten Charlie Kirk die letzte Ehre zu erweisen. Im State Farm Stadium erinnerte ein Meer aus US-Fahnen, MAGA-Kappen und pathetischen Reden eher an einen konservativen Parteitag als an eine Trauerfeier. Pyrotechnik und christliche Rockbands sorgten zusätzlich für Stadionstimmung.
Grindr blinkt rot in Phoenix
Währenddessen leuchtete auf der Ausfallkarte von Downdetector für die schwule Dating-App Grindr ein dicker roter Punkt über Phoenix. Statt der üblichen zwei Störungsmeldungen pro Stunde schnellte die Zahl am Sonntagabend auf mehr als 160. Am Montagmorgen waren es sogar über 200. Besonders auffällig: Die höchste Konzentration lag genau in Glendale, also dort, wo Kirks Gedenkshow lief.
Auch Screenshots der schwulen Hookup-App Sniffies, die auf TikTok geteilt wurden, zeigten auffallend viele anonyme Nutzer in Stadionnähe. Während auf der Bühne über „traditionelle Werte“ gesprochen wurde, suchten im Radius des Stadions offenbar auffällig viele Profile nach etwas völlig anderem.
Bekanntes Muster bei konservativen Großevents
Solche Phänomene sind nicht neu. Schon beim Republikanischen Parteitag 2016 in Cleveland verzeichnete Grindr einen Anstieg von 66 Prozent. Auch 2023 in Milwaukee berichteten User von einer Flut leerer Profile, die plötzlich auftauchten, sobald die Konservativen in der Stadt waren.
„An normalen Tagen treffe ich auf vielleicht zehn Profile ohne Foto“, erzählte damals ein Nutzer dem Milwaukee Journal Sentinel. „Während des Parteitags waren es so viele, dass ich irgendwann aufgehört habe zu zählen.“
Kirks Erbe: Attacken gegen Angehörige sexueller Minderheiten
Charlie Kirk machte keinen Hehl aus seiner Ablehnung von Angehörigen sexueller Minderheiten. Er wetterte gegen die „Alphabet-Mafia“, sprach von „Zerstörung der Familie“ und forderte Nürnberg-artige Tribunale für Ärzt:innen, die trans Menschen behandeln.
Dass ausgerechnet bei seiner Trauerfeier ein massiver Grindr-Peak registriert wurde, entbehrt also nicht einer gewissen Ironie. Offiziell schweigt die App zu den Störungen.

