HomeGesundheitHIV/AidsHIV-Schutz für 40 Dollar im Jahr: Neuer Deal bringt Hoffnung für Millionen

HIV-Schutz für 40 Dollar im Jahr: Neuer Deal bringt Hoffnung für Millionen

Ein neues HIV-Medikament wird ab 2027 in über 120 Ländern zu einem Bruchteil des bisherigen Preises erhältlich sein. Der Durchbruch könnte die weltweite HIV-Prävention entscheidend verändern.

Es ist ein bedeutender Schritt im globalen Kampf gegen HIV: Lenacapavir, das nur alle sechs Monate injiziert werden muss, soll ab 2027 in über 120 Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen für lediglich 40 US-Dollar pro Jahr angeboten werden. Der Preis liegt damit bei etwa 0,1 Prozent des bisherigen Marktwertes von bis zu 28.000 Dollar pro Jahr.

Bill Clinton vermittelt historischen Preisnachlass

Hinter dem historischen Preisnachlass steht ein Abkommen, das der ehemalige US-Präsident Bill Clinton vermittelt hat. Gemeinsam mit der Gates Foundation, dem südafrikanischen Forschungsinstitut Wits RHI und weiteren Partnern wurde eine Einigung mit dem Hersteller Gilead erzielt, um eine generische Version von Lenacapavir auf den Markt zu bringen.

„Diese Vereinbarung könnte Millionen von Menschenleben retten“, sagte Clinton bei der Bekanntgabe am Mittwoch. Das Ziel bestehe darin, den Zugang zu moderner HIV-Prävention dort zu ermöglichen, wo bisherige Medikamente kaum verfügbar oder bezahlbar waren.

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Sechs Monate Schutz mit einer Injektion

Lenacapavir wird alle sechs Monate per Injektion verabreicht und verhindert, dass sich das HI-Virus in menschlichen Zellen vermehrt. Laut Studienergebnissen schützt das Präparat zuverlässig vor einer Ansteckung. Bereits im Vorjahr hatte Gilead mit einer 100-prozentigen Erfolgsquote in klinischen Studien auf sich aufmerksam gemacht.

Im Juli sprach die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Empfehlung für die Nutzung von Lenacapavir zur HIV-Prävention aus. Der Wirkstoff ist mittlerweile sowohl von der US-Arzneimittelbehörde FDA als auch von der Europäischen Kommission zugelassen.

Mehr Schutz für besonders gefährdete Gruppen

Fachleute sehen vor allem in der einfachen Anwendung einen großen Vorteil. „Zweimal im Jahr eine Injektion – das ist viel leichter durchzuhalten als tägliche Pillen“, erklärt ein Sprecher der Gates Foundation. Die neue Form der HIV-Prävention ist besonders vielversprechend für junge Frauen, LGBTI-Personen, Sexarbeiter:innen und Menschen, die Drogen konsumieren – also Gruppen, die weltweit ein erhöhtes Infektionsrisiko tragen.

Im Vergleich dazu muss das derzeit genutzte Medikament für einen Schutz vor einer HIV-Infektion täglich eingenommen werden. Auch wenn PrEP in den betroffenen Regionen ebenfalls nur rund 40 Dollar im Jahr kostet, ist die regelmäßige Einnahme für viele Menschen schwer umzusetzen – aufgrund von Stigmatisierung oder eingeschränktem Zugang.

Nur 18 % haben bisher Zugang zu PrEP

Laut der Gates Foundation haben derzeit lediglich 18 % der potenziell gefährdeten Personen Zugang zu PrEP. Mit der Einführung des injizierbaren Lenacapavir könnte sich das jedoch deutlich ändern.

Eine Studie zeigt, dass selbst ein Zugang für nur 4 % der Bevölkerung ausreichen könnte, um bis zu 20 % der Neuinfektionen zu verhindern. Lenacapavir kann sowohl vorsorglich als auch zur Behandlung einer bestehenden HIV-Infektion eingesetzt werden.

Südafrika als einer der ersten Nutzer

Besonders betroffen ist Südafrika, wo rund acht Millionen Menschen mit HIV leben – weltweit die höchste Zahl. Das Land gehört zu den ersten, die von der neuen Vereinbarung profitieren sollen.

Die Einführung der günstigeren Version steht derzeit noch unter dem Vorbehalt der behördlichen Zulassung, die jedoch innerhalb der nächsten 18 Monate erwartet wird.

Rückschläge durch globale Finanzierungskürzungen

Der Vorstoß kommt zu einem kritischen Zeitpunkt. Nach massiven Mittelkürzungen bei USAID unter der Regierung von Donald Trump geriet die weltweite HIV-Bekämpfung zuletzt ins Stocken. Laut UNAIDS leben derzeit über 40 Millionen Menschen weltweit mit HIV.

Zwar konnten die Infektionszahlen und AIDS-bedingten Todesfälle seit dem Jahr 2000 deutlich gesenkt werden, doch infizierten sich 2024 weltweit noch rund 1,3 Millionen Menschen neu und über 600.000 starben an den Folgen von AIDS.

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