HomePolitikInternationalQueere Aktivisten auf Gaza-Schiffskonvoi offenbar unerwünscht

Queere Aktivisten auf Gaza-Schiffskonvoi offenbar unerwünscht

Eine internationale Solidaritätsmission für die palästinensischen Gebiete wird durch interne Spannungen erschüttert. Grund dafür ist die Beteiligung von Aktivist:innen der LGBTI-Community.

Die Global Sumud Flotilla (GSF), ein internationaler Schiffskonvoi, der symbolisch die israelische Seeblockade des Gazastreifens durchbrechen will, sieht sich mit einem unerwarteten internen Konflikt konfrontiert. Die Teilnahme von queeren Aktivist:innen sorgt für Spannungen innerhalb der Initiative.

Rücktritt aus Protest gegen LGBTI-Präsenz

Wie die französischsprachige Plattform Le Courrier de l’Atlas am 16. September berichtete, hat der algerische GSF-Koordinator Khaled Boujemâa seinen Rücktritt erklärt. Er begründete diesen Schritt mit der offenen Beteiligung von LGBTI-Aktivist:innen an der Mission, darunter der queere Aktivist Saif Ayadi. Boujemâa sieht darin einen Widerspruch zum kulturellen und religiösen Kontext der palästinensischen Sache.

Er bekommt Rückendeckung von weiteren bekannten Persönlichkeiten. So äußerten sich beispielsweise die Aktivistin Mariem Meftah und der bekannte Moderator Samir Elwafi öffentlich kritisch. Sie warfen der GSF vor, eine „progressive Kulturagenda“ durchzusetzen, die nichts mit dem Ziel der Flottille zu tun habe. Die queere Präsenz bezeichnen sie dabei als „rote Linie“, die nicht überschritten werden dürfe.

Spannungsfeld zwischen Solidarität und kulturellen Werten

Dem Bericht zufolge erklärte Meftah, dass queerer Aktivismus aus ihrer Sicht mit islamischen Überzeugungen nicht vereinbar sei. Sie sprach sich dagegen aus, „die heilige Sache von Al-Aqsa“ für andere politische Agenden zu nutzen. Diese Einschätzung teilen offenbar auch weitere Mitglieder des GSF-Netzwerks.

Dort heißt es: „Was soll ein arabischer Muslim denken, wenn er die Parolen dieser ‚queeren‘ Bewegung hört, die im Namen seiner heiligsten Sache vorgetragen werden, nur um dann auf diese Weise entwertet zu werden?!” Es scheint, als sei die Hilfe und Unterstützung queerer Menschen bei dem Schiffskonvoi nicht erwünscht.

Greta Thunberg verlässt Leitungsteam

Im Zuge der Auseinandersetzungen kam es auch zu einem personellen Einschnitt: Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg ist aus dem Leitungsteam der GSF zurückgetreten. Sie wird die Mission jedoch weiterhin als freiwillige Helferin begleiten. Ob ihr Rückzug direkt mit dem aktuellen Konflikt zu tun hat, wurde nicht offiziell bestätigt.

Die Flottille bleibt damit in ihrer Ausrichtung umstritten. Einige Beteiligte setzen auf eine inklusive, international orientierte Botschaft, während andere eine stärkere Rückbesinnung auf die religiösen und kulturellen Grundlagen der palästinensischen Bewegung fordern.

Seit Jahren engagieren sich queere Gruppen weltweit solidarisch mit Palästina. Für viele von ihnen ist der Kampf gegen Besatzung und Unterdrückung Teil eines breiteren Engagements für Menschenrechte. Und das, obwohl queere Menschen in den palästinensischen Gebieten um ihr Leben fürchten müssen – besonders im von der Terrororganisation Hamas kontrollierten Gazastreifen.

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