HomeMedienKinoChina zensiert Horrorfilm mit Dave Franco: Schwules Paar digital umgewandelt

China zensiert Horrorfilm mit Dave Franco: Schwules Paar digital umgewandelt

Der australische Horrorfilm „Together“ wurde in China in einer veränderten Fassung gezeigt. Insbesondere eine Hochzeitsszene, in der ursprünglich ein schwules Paar zu sehen war, wurde für die Vorführung im chinesischen Kino digital bearbeitet. Mithilfe von KI wurde das Gesicht eines Mannes durch das einer Frau ersetzt und das Paar somit heterosexuell dargestellt. 

Kritik von Publikum und Verleih

Kurz nach den Vorpremieren am 12. September entdeckten Kinobesucher die Änderungen und teilten entsprechende Screenshots in den sozialen Netzwerken. Daraufhin wurde der offizielle Kinostart am 19. September verschoben und der Film verschwand aus den Programmen.

Den Zuschauern fiel neben der bearbeiteten Hochzeitsszene auch auf, dass Nacktszenen entschärft wurden. In einer Szene unter der Dusche verdeckte nachträglich eingefügter Dampf den Körper des Hauptdarstellers Dave Franco. Die Reaktionen fielen deutlich aus. Auf der chinesischen Plattform Douban schrieb ein Nutzer: „Das ist respektlos gegenüber dem Originalwerk und stellt die Toleranz des Publikums erneut auf die Probe.“ Ein anderer Kommentar lautete: „Nicht nur wurde die Handlung verändert, sondern auch die sexuelle Orientierung der Figuren verfälscht.“

Ein Film mit Erfolg – und einem abrupten Stopp in China

Auch der internationale Verleih Neon äußerte sich entschieden. „Neon genehmigt die unautorisierte Bearbeitung von Hishow nicht und fordert, die Verbreitung dieser Version sofort zu stoppen“, teilte das Unternehmen gegenüber US-Medien wie Deadline mit. Von der chinesischen Verleihfirma Hishow gibt es bislang keine Stellungnahme.

Michael Shanks schrieb und inszenierte „Together“. In dem Film ziehen die von Dave Franco und Alison Brie gespielten Figuren aufs Land und geraten dort in den Bann einer mysteriösen, körperlich bedrohlichen Macht. Das Werk feierte im Januar 2024 beim Sundance Film Festival Premiere, wo sich Neon die weltweiten Rechte für 15 Millionen Dollar sicherte. In den USA startete der Film am 30. Juli und spielte mehr als 21 Millionen Dollar ein. Auf der Plattform Rotten Tomatoes erhielt er mit 90 Prozent äußerst positive Kritiken.

Zensur in China: Keine Ausnahme

Die Veränderung von „Together” reiht sich in eine längere Tradition der Zensur ein. China zeigt internationale Produktionen regelmäßig nur in bearbeiteten Fassungen. So wurde im Oscar-Gewinner „Oppenheimer” eine Nacktszene von Florence Pugh durch ein KI-generiertes Kleid ersetzt. Im Freddie-Mercury-Biopic „Bohemian Rhapsody” wurden alle Hinweise auf Homosexualität und AIDS entfernt. Auch in Serien wie „Friends” wurden Dialoge zum Thema Homosexualität gekürzt.

Seit Jahren geht die chinesische Regierung außerdem gegen queere Inhalte im Inland vor. Dating-Apps wie Grindr verschwanden aus den App-Stores, Autor:innen von queeren Liebesromanen wurden festgenommen und queere Organisationen wurden aufgelöst. Dass bei „Together” nun erstmals KI genutzt wurde, um eine homosexuelle Beziehung in eine heterosexuelle umzuwandeln, gilt Beobachtern als neue Stufe der Zensur.

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