Die Polizei der britischen Hauptstadt steht seit Jahren unter Druck, ihr Verhältnis zur LGBTI-Community zu verbessern. Nach schweren Ermittlungspannen im Fall des Serienmörders Stephen Port, die etwa zehn Jahre zurückliegen, geriet die Met Police zum ersten Mal massiv in die Kritik. Nun soll der Fall Jonathan C. ein Zeichen für einen neuen Umgang setzen.
Jonathan C. wurde im Jahr 2024 wegen Vergewaltigung und vorsätzlicher HIV-Übertragung zu einer Haftstrafe von 17 Jahren verurteilt. Doch die Ermittler gehen davon aus, dass es noch Hunderte weitere Betroffene geben könnte. Die Polizei betont, dass sie aus der Vergangenheit gelernt habe und nun auf Aufklärung, Transparenz und Zusammenarbeit mit queeren Organisationen setze.
Ermittlungen mit Community-Kontakt und externer Beratung
Im Rahmen der Untersuchung sprach die leitende Ermittlerin Sarah Bishop mit Kolleg:innen aus Manchester, die an der Aufklärung der Vergewaltigungsserie durch Reynhard Sinaga beteiligt waren. Sinaga hatte über Jahre hinweg ebenfalls Männer missbraucht – viele seiner Opfer konnten nie identifiziert werden.
„Unser Ziel war es von Anfang an, den Betroffenen auf Augenhöhe zu begegnen“, so Bishop. Die Polizei habe deshalb eng mit Gesundheitsdiensten und Anlaufstellen für die LGBTI-Community zusammengearbeitet, um den Betroffenen Unterstützung zu bieten.
Auch intern seien Standards verbessert worden. So sei beispielsweise in den Ermittlungen gegen Jonathan C. bewusst auf Sensibilität im Umgang mit Sexualität, HIV und Einverständnis geachtet worden.
Die Community erinnert sich noch an das Versagen im Fall Stephen Port
Damit versucht die Londoner Polizei, aus einem Versäumnis der Vergangenheit zu lernen: Zwischen 2014 und 2015 tötete Stephen Port vier junge Männer in Barking. Die Polizei versäumte damals, Hinweise auf ein mögliches Serienverbrechen zusammenzuführen. Ein Gutachten stellte später fest, dass das Verhalten der Polizei nach dem ersten Mord mitverantwortlich für die weiteren Taten war.
Die Folge: Ein massiver Vertrauensverlust innerhalb der LGBTI-Community. Laut der Londoner Polizeibehörde MOPAC hat die Community weiterhin das niedrigste Vertrauen in die Met Police – nur 58 Prozent gaben bei der letzten Erhebung an, Vertrauen in die Polizei zu haben.
Neue Botschaft der Ermittler: „Wir wollen, dass ihr euch sicher fühlt“
Detective Superintendent Lewis Basford betont, dass mit dem Vorgehen im Fall Jonathan C. neues Vertrauen aufgebaut werden soll. „Wir haben mit Wohltätigkeitsorganisationen, Gesundheitsdiensten und Community-Gruppen zusammengearbeitet. Es geht nicht nur um die Straftat, sondern auch um die Frage: Wie gehen wir mit den Betroffenen um?“
Seine Kollegin Sarah Bishop ergänzt: „Wir wissen, dass es immer noch Männer gibt, die sich nicht gemeldet haben. Wir wollen ihnen zeigen: Ihr seid nicht allein, und wir sind für euch da.“
Die Polizei ruft weiterhin dazu auf, dass sich betroffene Männer melden – auch anonym und unabhängig davon, ob sie Anzeige erstatten möchten. Es gehe vor allem um medizinische Versorgung, Beratung und Schutz.

