Am frühen Sonntagmorgen kam es im Schöneberger Regenbogenkiez zu einem mutmaßlich queerfeindlichen Angriff auf das schwule Anti-Gewalt-Projekt „Maneo“ in der Bülowstraße. Unbekannte warfen eine Scheibe der Räumlichkeiten ein.
Gegen 6.30 Uhr hörte eine Zeugin ein lautes Klirren und sah anschließend drei Personen fluchtartig vom Tatort wegrennen. Die alarmierte Polizei entdeckte die beschädigte Fensterscheibe und fand einen Stein, der offenbar als Wurfgeschoss diente.
Staatsschutz übernimmt Ermittlungen
Wegen eines möglichen queerfeindlichen Hintergrunds hat der Polizeiliche Staatsschutz beim Landeskriminalamt Berlin die weiteren Ermittlungen übernommen. Bei Angriffen auf queere Einrichtungen wird routinemäßig geprüft, ob ein Hassverbrechen vorliegt.
Der Trägerverein Mann-O-Meter reagierte mit deutlichen Worten auf den Vorfall: „Dieser Angriff richtet sich nicht nur gegen ‚Maneo‘, sondern gegen die gesamte LGBTIQA+-Community und die Zivilgesellschaft, die tagtäglich für Vielfalt, Respekt und Gewaltfreiheit eintritt“, heißt es in einer Mitteilung. Der Verein fordert eine konsequente Aufklärung des Falls und betont die Bedeutung von sicheren Räumen für queere Menschen in Berlin.
Maneo: Hilfe für Opfer und Prävention seit 1990
„Maneo“ gehört zu den ältesten und bekanntesten Anti-Gewalt-Projekten für schwule und queere Menschen in Deutschland. Seit 1990 bietet es Opferhilfe und setzt sich für Gewaltprävention ein. Getragen wird das Projekt vom Verein Mann-O-Meter, der sich seit Jahrzehnten für die Rechte und den Schutz der LGBTI-Community engagiert.
Nach Angaben der Berliner Staatsanwaltschaft wurden im Jahr 2023 insgesamt 791 queerfeindliche Angriffe angezeigt. Das entspricht fast einer Verdopplung innerhalb von vier Jahren. Fachstellen und Opferverbände weisen regelmäßig darauf hin, dass die Dunkelziffer deutlich höher liege, da viele Vorfälle nicht gemeldet oder zur Anzeige gebracht werden.
Für Hassverbrechen gegen sexuelle Minderheiten gibt es in Berlin eigene Ansprechpartner:innen
Angehörige sexueller Minderheiten, die Opfer von Hasskriminalität geworden sind, können in der deutschen Hauptstadt unter anderem auf der Internetwache der Polizei Berlin online eine Anzeige aufgeben.
Bei der Berliner Polizei gibt es zudem zwei Ansprechpersonen für LGBTI . Damit soll Angehörigen sexueller Minderheiten, die oft aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen ein eher kritisches Verhältnis zur Polizei haben, das Erstatten einer Anzeige nach einem Übergriff erleichtert werden.

