Die schwule Community von New York ist beunruhigt: Seit dem Sommer haben Bundespolizisten der US-Bahngesellschaft Amtrak in den Herrentoiletten der Penn Station in Midtown Manhattan gezielt Kontrollen durchgeführt. Laut den Stadtmagazinen The City und The Gothamist handelt es sich um die Toilettenanlage am Eingang Eighth Avenue und 31st Street, die auch in der Gay-Hookup-App Sniffies gelistet ist.
In den ersten fünf Monaten des Jahres verzeichneten die Behörden nur eine Handvoll Festnahmen wegen „öffentlich anstößigen Verhaltens“. Doch ab Juni stieg die Zahl rapide an: An einzelnen Tagen wurden bis zu 20 Männer festgenommen. Insgesamt summieren sich die Zahlen seitdem auf fast 200. „Das sind keine normalen Kontrollen, sondern gezielte Operationen“, sagt ein Sprecher der Bürgerrechtsorganisation Legal Aid Society.
Betroffene berichten von Schikanen
Ein Mann, der nur seinen Vornamen David nennen möchte, schilderte The City seine Erfahrung. Er sei auf dem Weg nach New Jersey gewesen, habe am Urinal gestanden und plötzlich bemerkt, dass er beobachtet wurde. Kurz darauf habe ihn ein Mann angesprochen und wegen „öffentlicher Unanständigkeit“ verhaftet.
Der Grund: David trug ein Pride-Armband. Er beschreibt die Situation als traumatisch: „Ich war noch nie zuvor festgenommen worden. Das hat mich tief erschüttert.“ Auch die Wortwahl der Polizisten habe ihn verstört. Er sagt, er habe gehört, wie Beamte gesagt hätten: „Wir haben noch drei weitere Schwuchtel-Perverse.“
ICE-Überstellungen verschärfen Lage
Einige Festnahmen führten sogar zu Abschiebeverfahren. Da Amtrak-Polizisten Bundesbeamte sind, sind sie nicht an die „Sanctuary“-Politik der Stadt New York gebunden. Diese verpflichtet die lokale Polizei, keine Menschen an die Einwanderungsbehörde ICE zu überstellen.
Ein Polizist, der anonym bleiben möchte, sagte, dass gezielt Männer kontrolliert wurden, die sogenannte „ICE-Detainer“ haben. So wurde etwa ein mexikanischer Mann mit US-Ehepartner, der auf eine Asylentscheidung wartete, für einen Monat in Haft genommen, bevor ein Richter seine Freilassung anordnete.
Kritik von Politik und Zivilgesellschaft
Mehrere Politiker:innen reagierten empört. So schrieben die Stadträt:innen Erik Bottcher und Tiffany Cabán an Amtrak-Präsident Roger Harris und prangerten „tief alarmierende Verletzungen von Bürgerrechten und diskriminierende Polizeiarbeit“ an.
Auch eine Gruppe von Bundes- und Landesabgeordneten, darunter Jerrold Nadler und Brad Hoylman-Sigal, übte scharfe Kritik. Sie verglichen die Vorgänge mit den repressiven Polizeieinsätzen gegen queere Menschen in der Zeit vor den Stonewall-Protesten.
In einem Brief heißt es: „Amtrak hat das Recht, seine Einrichtungen zu schützen, doch nicht mit einer feindseligen Kampagne, die an anti-LGBTQ-Polizeiaktionen vergangener Jahrzehnte erinnert.“
Amtrak verweist auf Sicherheit
Amtrak selbst rechtfertigte die Einsätze mit Hinweisen auf Beschwerden von Reisenden. Sprecherin Beth Toll erklärte: „Seit der verstärkten Präsenz sind die Vorfälle deutlich zurückgegangen. Amtrak bleibt verpflichtet, eine sichere und einladende Umgebung für alle Reisenden zu gewährleisten.“
Amtrak-Vizepolizeichef Martin Conway betonte zudem in einem Statement gegenüber dem Gothamist: „Wenn wir in den Toiletten strafbares Verhalten feststellen, greifen wir ein.“
Ob und wie lange die verstärkten Kontrollen noch andauern werden, ist unklar. Mehrere Betroffene haben bereits angekündigt, rechtliche Schritte zu prüfen.

