Trotz eines behördlichen Verbots haben am Samstag mehrere tausend Menschen an der Pride-Parade in Pécs teilgenommen. Schätzungen der Nachrichtenagentur AFP zufolge marschierten zwischen 7.000 und 8.000 Teilnehmer:innen durch die Innenstadt.
Umgehung des Verbots durch kreative Anmeldung
Die Veranstalter:innen umgingen das Verbot, indem sie die Demonstration als „Versammlung gegen die Überbevölkerung wilder Tiere“ anmeldeten – mit der offiziellen Begründung, Verkehrsunfälle verhindern zu wollen. In Wahrheit handelte es sich jedoch um einen Protest für die Rechte queerer Menschen und gegen die zunehmenden Einschränkungen durch die Regierung von Viktor Orbán.
„Ich bin hier, weil diese Demonstration nicht mehr nur die LGBTI-Community betrifft, sondern die Einschränkung unserer grundlegenden Menschenrechte“, sagte der 18-jährige Student Bence Toth der AFP. Auch Amnesty International kritisierte die „repressive Gesetzgebung“, die einen „abschreckenden Effekt“ auf queere Menschen im Land habe.
Gesetzesänderung schränkt Versammlungsfreiheit ein
Das Verbot stützte sich auf eine zu Beginn des Jahres in Kraft getretene Gesetzesänderung, welche öffentliche Kundgebungen für LGBTI-Rechte als ordnungswidrig einstuft. Verstöße können mit einer Strafe von umgerechnet bis zu 500 Euro geahndet werden. Zudem darf die Polizei die Teilnehmer:innen per Gesichtserkennung identifizieren.
Im Gegensatz dazu wurde eine Gegendemonstration der rechtsextremen Partei Mi Hazánk Mozgalom („Unsere Heimat Bewegung“) von den Behörden erlaubt. Die Parade selbst verlief weitgehend friedlich. Es gab nur einen bekannten Zwischenfall, als ein Mann einem Teilnehmer mit einer Plastikflasche auf den Kopf schlug.
Bürgermeister Péterffy zeigt Unterstützung
Auch der Bürgermeister von Pécs, Attila Péterffy, nahm an der Parade teil. „Es ist meine Aufgabe, sicherzustellen, dass diejenigen, die ihre Meinung äußern wollen, dies frei tun können“, sagte der parteiunabhängige Politiker. Die Polizei griff trotz des offiziellen Verbots nicht ein, sondern schützte die Demonstration vor Gegendemonstranten.
Auch die Oppositionspolitikerin Katalin Cseh von der liberalen Momentum-Partei war in Pécs anwesend. Sie sprach von einem „Symptom der gesellschaftlichen Spaltung“ und betonte: „Wir verdienen die gleichen Rechte als Ungarn wie Menschen in Österreich. Wir sind nur wenige Kilometer entfernt – das kann ich nicht akzeptieren.“
Solidarität aus Österreich und Europa
Unter den Teilnehmer:innen befand sich auch eine Delegation der RosaLila PantherInnen (RLP) aus Graz, die mit dem Bus nach Pécs gereist war. Die RLP hatten die Fahrt organisiert, an der sich mehrere Grazer Stadtpolitikerinnen beteiligten, darunter die Klubobfrau der KPÖ, Sahar Mohsenzada, die Gemeinderätin der SPÖ, Anna Robosch, der Gemeinderat der NEOS, Philipp Pointner, und der Gemeinderat der Grünen, Tristan Ammerer. Das Banner der Gruppe trug die Aufschrift „From Graz with Love – You are not alone“.
Schon kurz nach der Ankunft wurde die Gruppe von der Polizei kontrolliert. Eine mitgereiste Dragqueen musste Teile ihres Kostüms bedecken, da diese „eine schlechte Wirkung auf Kinder” haben könnten. Die Beamten betonten, sie handelten „gemäß dem Gesetz“. Für viele Teilnehmer:innen zeigte diese Szene, wie stark das gesellschaftliche Klima in Ungarn von Repression geprägt ist.
Hoffnung durch internationale Präsenz
Trotz der Einschüchterungen war die Stimmung in Pécs überwiegend positiv. Viele Teilnehmende berichteten von einem starken Zusammengehörigkeitsgefühl. Ein Pride-Teilnehmer aus Pécs sagte: „Es fühlt sich unglaublich gut an, dass Menschen aus dem Ausland nicht aufgegeben haben, uns zu unterstützen, obwohl viele Ungar:innen längst die Hoffnung verloren haben.“
Im Vergleich zum Vorjahr verlief der Umzug freier und ohne massive Polizeiblockaden. Beobachter:innen werteten dies als Zeichen, dass öffentlicher Druck und internationale Solidarität Wirkung zeigen könnten.

