Die Zahl der sexuell übertragbaren Krankheiten nimmt in Salzburg seit einigen Jahren spürbar zu. Besonders alarmierend ist der Anstieg der HIV-Neuinfektionen: Im Jahr 2024 wurden laut der Aidshilfe Salzburg 52 neue Fälle diagnostiziert, was den höchsten Wert seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2008 darstellt.
„Wir sehen einen klaren Anstieg bei sämtlichen sexuell übertragbaren Erkrankungen“, erklärt Aidshilfe-Geschäftsführer Willi Maier im Gespräch mit dem Online-Medium salzburg24 . Betroffen seien nicht nur HIV, sondern auch Syphilis , Chlamydien und Tripper. „Das ist kein Einzelfall, sondern ein gesamtgesellschaftlicher Trend.“
Deutliche Zunahme auch bei Syphilis, Chlamydien und Tripper
Die Statistik der Aidshilfe Salzburg zeigt: Während 2019 elf Syphilis-Fälle festgestellt wurden, waren es 2024 bereits 18, und bis zum Jahresende werden rund 20 erwartet. Noch drastischer ist der Anstieg bei Chlamydien und Tripper. Diese beiden Infektionen werden bei der Aidshilfe im Rahmen eines Kombitests erfasst. 2020 lag die Zahl positiver Tests bei 19, 2022 bereits bei 40 und im letzten Jahr wurden 94 Infektionen gemeldet.
„Wir sind da definitiv im höheren Bereich“, sagt Maier. Für das Jahr 2025 rechnet die Aidshilfe mit ähnlich hohen Werten. Der Experte verweist jedoch auch darauf, dass nicht nur mehr Infektionen auftreten, sondern auch deutlich mehr getestet wird.
Zahl der Tests in Salzburg fast verdoppelt
Vor der Corona-Pandemie ließen sich jährlich rund 1.200 Personen bei der Aidshilfe Salzburg auf sexuell übertragbare Krankheiten testen. Aktuell liegt die Zahl bei rund 2.000, was Maier auch als positive Entwicklung sieht: „Mehr Tests bedeuten eben auch mehr positive Ergebnisse.“ Das sei führ ihn „das Positive an der ganzen Sache.“
Ein weiterer Grund für die Zunahme könnte in der Nutzung der Prä-Expositionsprophylaxe (PrEP) liegen, einer vorbeugenden Medikation gegen HIV. Da viele Menschen durch PrEP auf Kondome verzichten, steigt jedoch das Risiko, sich mit anderen sexuell übertragbaren Krankheiten wie Tripper oder Chlamydien zu infizieren.
Empfehlung: Einmal jährlich testen bei wechselnden Partnern
Die Aidshilfe empfiehlt Menschen mit wechselnden Sexualpartner:innen, sich mindestens einmal pro Jahr testen zu lassen. Ein Test ist auch nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr, einem „Kondomunfall“ oder vor dem Verzicht auf Kondome in einer neuen Beziehung sinnvoll. Gerade beim Oralverkehr könne man sich gegen Chlamydien und Tripper kaum schützen, so Maier.
Zwar nutzen manche Personen mittlerweile auch Selbsttests aus dem Internet, diese seien laut Maier jedoch nur bei geübter Anwendung zu empfehlen. Viele Betroffene kämen danach trotzdem zur Aidshilfe, weil sie unsicher seien. Wichtig ist, die diagnostischen Fenster der einzelnen Infektionen zu kennen. Manche Tests schlagen schon nach zwei Wochen an, andere erst nach sechs Wochen.
Gesundheitsbehörden schlagen europaweit Alarm
Bereits Anfang des Jahres warnte die europäische Gesundheitsbehörde ECDC vor der wachsenden Zahl sexuell übertragbarer Infektionen. Diese stellen eine zunehmende Belastung für die Gesundheitssysteme dar.
Besonders besorgniserregend ist, dass viele dieser Krankheiten vermeidbar sind, aber dennoch jährlich zu fast 57.000 Todesfällen in der EU und im Europäischen Wirtschaftsraum führen.

