„Die Norwegische Kirche hat LGBTQ-Menschen Schande, schweren Schaden und Schmerz zugefügt“, sagte Bischof Olav Fykse Tveit am Donnerstagabend in dem Club, der als Treffpunkt der queeren Szene in Oslo gilt: „Das hätte niemals passieren dürfen, darum sage ich heute: Es tut mir aufrichtig leid.“
Der Kirche gehören rund 3,4 Millionen Menschen an, was etwa 60 Prozent der Bevölkerung entspricht. Sie räumte mittlerweile ein, dass sich viele Gläubige aufgrund von Diskriminierung, Ungleichbehandlung und Schikanen von ihr abgewandt haben.
Vom Ausschluss zur Anerkennung
In den 1950er-Jahren bezeichnete die norwegische Kirche Homosexuelle als „globale soziale Gefahr“ und stufte ihre Handlungen als „pervers und verachtenswert“ ein. Diese Haltung prägte das kirchliche Denken über Jahrzehnte hinweg. Erst ab den 2000er-Jahren begann ein Wandel: Seit 2007 dürfen homosexuelle Pastor:innen in der Kirche arbeiten und seit 2017 sind auch Trauungen für gleichgeschlechtliche Paare möglich.
Die Vereinigung für Geschlechter- und sexuelle Vielfalt in Norwegen begrüßte die Entschuldigung als „kraftvoll“ und „wichtig“. Allerdings komme sie „für diejenigen von uns, die an Aids gestorben sind, zu spät“, sagte deren Vorsitzender Stephen Adom. Er kritisierte außerdem eine zunehmende Verunglimpfung vielfältiger Identitäten „unter religiösen und politischen Anführern“.
Symbolträchtiger Ort: der „London Pub“ in Oslo
Die Wahl des Ortes für die Entschuldigung war bewusst getroffen. Das „London Pub“, ein bekannter queerer Nachtclub, wurde während des Pride-Festivals 2022 Ziel eines islamistisch motivierten Anschlags, bei dem zwei Menschen getötet und neun weitere verletzt wurden. Dabei wurden zwei Menschen getötet und neun weitere verletzt.
Der Täter, ein Norweger iranischer Herkunft, wurde später wegen eines „schweren Terrorakts“ zu 30 Jahren Haft verurteilt. Laut Urteil wollte er „so viele Homosexuelle wie möglich töten und LGBTQ-Personen im Allgemeinen in Angst und Schrecken versetzen“.
Mehrheit befürwortet Entschuldigung
Eine von der Kirche in Auftrag gegebene Umfrage zeigt, dass 65 Prozent der Befragten die Entschuldigung für überfällig halten. In den letzten Jahren sind auch andere protestantische Kirchen ähnliche Schritte gegangen, darunter die anglikanische Kirche in England sowie die Vereinigte Kirche von Kanada.
Mit der öffentlichen Bitte um Verzeihung will die norwegische Kirche ein neues Kapitel aufschlagen, das auf Respekt, Gleichberechtigung und Akzeptanz basiert.

