US-Präsident Donald Trump hat den ehemaligen republikanischen Abgeordneten George Santos überraschend aus dem Gefängnis entlassen. Am Freitag teilte er auf seiner Plattform Truth Social mit, er habe Santos’ Strafe „sofort und vollständig” erlassen. „George Santos ist schrecklich misshandelt worden“, schrieb Trump, ohne dafür einen Beleg zu liefern.
Doch das ist für den US-Präsidenten offenbar nur ein unwichtiges Detail: „Daher habe ich gerade eine Strafmilderung unterzeichnet, die seine sofortige Entlassung bewirkt. Viel Glück, George – hab ein großartiges Leben!“ Der Republikaner ergänzte, es gebe in den USA „viele Schurken“, die weit schlimmere Dinge getan hätten und dennoch nicht im Gefängnis säßen.
Santos saß wegen Betrugs und Identitätsdiebstahls
Santos war im Frühjahr zu 87 Monaten Haft verurteilt worden, nachdem er sich in mehreren Punkten schuldig bekannt hatte. Richterin Joanna Seybert bescheinigte dem 37-Jährigen damals, „das Vertrauen der Wähler in außergewöhnlicher Weise missbraucht” zu haben.
Er hatte eingeräumt, die Identitäten von elf Personen – darunter Familienmitglieder – gestohlen zu haben. Außerdem soll er Wahlkampfgelder für private Ausgaben verwendet haben, beispielsweise für Luxusartikel, Botox-Behandlungen und OnlyFans-Abonnements.
„Ich kann die Vergangenheit nicht umschreiben, aber ich kann den Weg vor mir kontrollieren”, sagte Santos bei seiner Verurteilung und bat unter Tränen um Vergebung. Einer seiner Anwälte, Joseph Murray, lobte nach Trumps Entscheidung den Präsidenten mit den Worten: „Gott segne Donald J. Trump.“
Vom Shootingstar zum Skandalpolitiker
Der Aufstieg und Fall des Politikers verliefen rasant. 2022 war der offen schwule Republikaner in den US-Kongress gewählt worden – doch schon ein Jahr später wurde er als sechstes Mitglied in der Geschichte des Parlaments ausgeschlossen. Eine Untersuchung des Ethikausschusses ergab, dass Santos in großem Umfang gelogen und Spenden veruntreut hatte.
Medien enthüllten zudem, dass er seine Ausbildung, Berufserfahrung und sogar Teile seiner Familiengeschichte erfunden hatte. So behauptete er beispielsweise, an der Wall Street gearbeitet zu haben, einen Universitätsabschluss zu besitzen und dass seine Mutter den Anschlag vom 11. September 2001 überlebt habe.
Später kamen weitere erfundene Geschichten hinzu, etwa eine angebliche Verbindung zur Schießerei im queeren Nachtclub Pulse in Florida. All diese Angaben stellten sich als falsch heraus.
Offener Brief an Trump zeigte Wirkung
Bereits Anfang der Woche hatte Santos einen offenen Brief an Trump in einer Lokalzeitung auf Long Island veröffentlicht. Darin bat er um „eine faire Chance, mein Leben wieder aufzubauen”. Er berichtete, dass er nach einer Morddrohung in Einzelhaft gesteckt worden sei, und schrieb: „Ich bitte nicht um Mitleid, ich bitte um Gerechtigkeit.“
Nur wenige Tage später reagierte Trump mit einer Begnadigung. Santos wurde am Freitagabend aus einem Gefängnis in New Jersey entlassen. Dieser Schritt reiht sich in eine Serie von Gnadenakten des Präsidenten ein. Zuvor hatte Trump bereits die Republikaner Michael Grimm und John Rowland begnadigt, die beide wegen Betrugs- und Korruptionsdelikten verurteilt worden waren.

