HomeSzeneSteiermarkTuntenball 2026: Glitzer, Protest und ein „Grand Bordell“ im Grazer Congress

Tuntenball 2026: Glitzer, Protest und ein „Grand Bordell“ im Grazer Congress

Der legendäre Grazer Tuntenball wird 2026 politischer, lauter und teurer. Mit dem Motto „Grand Bordell Tuntenball“ setzt Europas größtes Charity-Event ein starkes Zeichen für queere Sichtbarkeit, Solidarität und Freiheit – und reagiert zugleich auf drastische Kürzungen im Sozialbereich.

Der 35. Grazer Tuntenball steht unter besonderen Vorzeichen. Am 21. Februar 2026 wird der Congress Graz erneut zum Zentrum queerer Vielfalt – diesmal unter dem provokanten Motto „Grand Bordell Tuntenball“.

Zwischen Glitzer und gesellschaftlicher Kritik

Was nach einer schrillen Party klingt, ist zugleich ein politisches Statement. „Please do disturb – wir stören, weil wir existieren“ – das ist die Botschaft des diesjährigen Balls, der Lust, Selbstbestimmung und Rebellion feiert. Dabei wird das Bordell zum Symbol für die Rückeroberung eines wertfreien Raumes, frei von Scham und moralischen Urteilen.

Doch trotz Glitzer und Glamour herrscht hinter den Kulissen große Sorge. Die RosaLila PantherInnen (RLP), die den Ball veranstalten und die wichtigste queere Menschenrechtsorganisation der Steiermark sind, kämpfen mit massiven finanziellen Einschnitten. „Bis Jahresende ist die Finanzierung gesichert, aber was danach kommt, ist offen“, erklärt der Vereinsvorsitzende Joe Niedermayer. „Unsere Hand bleibt ausgestreckt.“

Förderkürzungen treffen queere Arbeit hart

Im Juni 2025 wurde den RLP von der steirischen FPÖ-Regierung die Landesförderung in Höhe von 35.000 Euro gestrichen. Seither fehlen diese Mittel im Budget der Organisation. „Die Brücken sind derzeit leider alle abgerissen“, so Niedermayer. Zwei Mitarbeiter:innen, darunter eine psychosoziale Betreuerin, stehen vor der Kündigung. Anträge für das kommende Jahr über 70.000 Euro wurden zwar gestellt, doch es gab bisher keine Rückmeldung.

Um die existenzbedrohende Lage abzufedern, müssen die Ticketpreise von 80 auf 100 Euro steigen. „Viele wissen nicht, dass der Tuntenball weit mehr ist als ein glamouröses Event. Der Reinerlös finanziert unsere Beratungs- und Aufklärungsarbeit für queere Menschen“, betont Niedermayer. Queere Personen seien doppelt so häufig von Depressionen betroffen und hätten ein erhöhtes Suizidrisiko. „Diese Arbeit darf nicht am Geld scheitern.“

Ein Motto voller Lust, Mut und Botschaft

Das diesjährige Motto „Grand Bordell Tuntenball“ wurde bewusst provokant gewählt. Es steht für Selbstbestimmung und das Zurückerobern gesellschaftlicher Begriffe, die lange zur Stigmatisierung dienten. „Ein Tuntenball-Motto muss so sein, dass es ein paar Leute verärgert“, sagt Niedermayer lachend. „Es soll andere aus ihrer Komfortzone holen, um zu zeigen, wie großartig jeder Mensch sein kann.“

Für das visuelle Konzept wurde eigens eine „Style Bible“ entwickelt. Das von Thomas Bucher alias Chemical Princess und Fotograf Kurt Remling inszenierte Fotoshooting im Hotel Fernblick in St. Corona am Wechsel zeigt 16 Models in 30 opulenten Looks. „Ich wollte Einblicke in jedes Zimmer eines Bordells geben – mit Neugier und Akzeptanz statt Vorurteilen“, erklärt Bucher.

Stars, Shows und ein starkes Zeichen

Die Gäste dürfen sich auf ein hochkarätiges musikalisches Line-up freuen: Die deutsche Dance-Pop-Band Groove Coverage, die Sängerin Billie Steirisch und die Song-Contest-Teilnehmerin Pænda werden für Stimmung sorgen.

Moderiert wird der Ball von der Dragqueen Grazia Patricia, die bei der Motto-Präsentation mit einer emotionalen Performance des Songs „Wellensittiche und Spatzen” für Gänsehaut gesorgt hat.

Auch dieses Jahr wird im Rahmen des Balls das Tuntenball Drag Race entschieden. Die Vorrunde findet am 29. November 2025 im Theater am Lend statt, das große Finale folgt beim Ball im Februar. In der Jury sitzen bekannte Persönlichkeiten wie der Influencer Michi Skopek, die Dragqueen Philisha Conditioner und der Creative Director Adi Lozancic.

Solidarität durch Sichtbarkeit

Trotz aller Herausforderungen bleibt der Tuntenball ein Symbol für Lebensfreude, Zusammenhalt und queeren Stolz. „Der Hass wird nicht weniger, aber er wird salonfähiger“, warnt Niedermayer. „Gerade deshalb ist der Tuntenball 2026 wichtiger denn je – als Ort der Sichtbarkeit, Solidarität und Lebensfreude.“

Der Online-Vorverkauf startet am 1. November 2025, ab dem 3. November sind die Tickets auch an ausgewählten Vorverkaufsstellen erhältlich. Mit jedem Ticket unterstützen die Besucher:innen nicht nur ein rauschendes Fest, sondern auch den Fortbestand queerer Beratungsarbeit in der Steiermark.

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