Der traditionsreiche Berliner Club SchwuZ wird Anfang November endgültig schließen. Wie die Betreiber:innen am Donnerstag über soziale Netzwerke bekannt gaben, habe sich nach monatelangen Bemühungen keine Lösung für die Fortführung des Betriebs gefunden
„Nach monatelangen Hoffnungen, intensiven Gesprächen und einem umfassenden Prozess mit potenziellen Investor:innen hat sich keine Partei gefunden, die das SchwuZ im jetzigen Zustand übernehmen und weiterführen möchte. Wir haben alles versucht, doch am Ende hat es nicht gereicht“, heißt es in der Mitteilung auf Instagram.
Abschied mit Tanz und Dank
Das Team des SchwuZ ruft dazu auf, die verbleibenden Wochen gemeinsam zu nutzen. „Um zu tanzen, zu lachen, zu weinen und Erinnerungen zu teilen“, schreiben sie. Die letzte Veranstaltung soll nicht nur ein Abschied sein, sondern auch ein großes Dankeschön an all jene, „die mit so viel Herzblut, Kreativität und Ausdauer dieses Abenteuer namens SchwuZ seit 1977 möglich gemacht haben“.
Die Nachricht trifft viele in der Berliner Club- und queeren Szene hart. Das SchwuZ gilt als einer der bedeutendsten Orte der LGBTI-Community in Deutschland – seit fast 50 Jahren ein Raum für Begegnung, Kultur und politische Diskussion.
Finanzielle Krise und gescheiterte Rettungsversuche
Der Club hatte bereits im August Insolvenz angemeldet, den Betrieb aber zunächst weitergeführt. Die Geschäftsführung erklärte damals, man habe handeln müssen, bevor die Zahlungsunfähigkeit eintrete. Trotz Kürzungen, struktureller Anpassungen und einer Crowdfunding-Kampagne konnte das Defizit jedoch nicht ausgeglichen werden.
Laut den Betreiber:innen fehlten zuletzt monatlich zwischen 30.000 und 60.000 Euro. Auch rückläufige Umsätze und organisatorische Schwächen hätten die Lage verschärft. Ende Mai wurden 33 der rund 100 Mitarbeitenden entlassen, was auf deutliche Kritik stieß. Ohne diese Maßnahme drohe die sofortige Schließung, hieß es damals zur Begründung.
Ein halbes Jahrhundert queere Kulturgeschichte
Das SchwuZ wurde 1977 als „Schwulen-Zentrum“ aus der Homosexuellen Aktion Westberlin gegründet. Anfangs in Schöneberg beheimatet, zog es in den Achtzigerjahren an die Hasenheide und später an den Mehringdamm in Kreuzberg. 2013 erfolgte der Umzug in die ehemalige Kindl-Brauerei im Rollbergviertel in Neukölln, in der mehr als 1.000 Gäste Platz fanden.
Über die Jahrzehnte wurde das SchwuZ zum kulturellen Mittelpunkt der queeren Szene. Hier fanden die ersten Treffen zur Organisation des Berliner Christopher Street Day statt und auch die Stadtzeitung Siegessäule nahm dort ihren Anfang. Musiker:innen wie Rosenstolz nutzten die Räume für Proben und Auftritte.
Am 1. November soll nun das letzte Mal im SchwuZ getanzt werden – ein Abschied, der für viele Berliner:innen das Ende einer Ära markiert.

