Mit „Boys from Budapest“ veröffentlicht der Fotograf Attila Kiss sein erstes Fotobuch – ein opulenter Bildband mit 124 Aufnahmen auf 176 Seiten. Im Mittelpunkt stehen dreizehn junge Männer aus Kiss’ Wahlheimat Budapest, die sich unverhüllt und spielerisch vor der Kamera präsentieren. Kiss lässt seinen Protagonisten dabei viel Raum für Haltung und Ausdruck. Sie schauen direkt in die Linse, mal frech, mal verträumt, aber immer mit einer spürbaren Selbstsicherheit.
„Die Jungs wirken nicht ertappt, sondern eingeladen“, beschreibt es ein begleitender Text treffend. Dieser Ton zieht sich durch das gesamte Werk: keine bloße Freizügigkeit, sondern eine bewusste Entscheidung für Offenheit und Präsenz. Die Kamera dient hier nicht als Beobachterin, sondern als Bühne.
Liebeserklärung an Stadt und Körper
Ein Vorwort des Kulturwissenschaftlers Árpád Végh ergänzt das Buch. Darin vergleicht er die Porträts mit Guy de Maupassants Romanfigur Bel-Ami: charmant, elegant, leicht überheblich – aber immer faszinierend. „Attilas Bilder vereinen subtile Sinnlichkeit mit einem Hauch frecher Eleganz“, schreibt Végh.
Kiss stammt ursprünglich aus der ehemaligen Tschechoslowakei und lebt seit 2003 in Budapest. Die Stadt spielt eine stille Nebenrolle in seinen Bildern. Mal ist sie nur angedeutet durch Fensterblicke, mal konkret durch urbane Hintergründe – immer aber ist sie als Atmosphäre spürbar. „Boys from Budapest“ ist somit nicht nur ein Buch über Körper, sondern auch über Orte. Eine doppelte Liebeserklärung.
Für Liebhaber klarer Ästhetik
„Boys from Budapest“ richtet sich an Menschen, die Freude an ästhetischer Männlichkeit, offen erotischen Porträts und urbaner Inszenierung haben. Kiss zeigt Idealbilder: schlank, jung und selbstbewusst.
Wer jedoch auf Diversität in Bezug auf Alter, Körperformen oder Milieus hofft, wird hier kaum fündig. Dokumentarische Elemente fehlen ebenfalls weitgehend, denn das Buch will nicht abbilden, sondern inszenieren. Es passt auf jeden gut sortierten Coffee Table und will immer wieder betrachtet werden.
Die Stärke liegt gerade in dieser Entscheidung. In der gezielten Setzung eines Tons, der flirtet, nicht analysiert. Der betont, nicht relativiert. Es erzeugt Sommerleichtigkeit, anstatt Komplexität einzufordern.
Spiel mit Licht, Pose und Blick
Attila Kiss bringt seine Erfahrung aus der Zusammenarbeit mit Modelagenturen und dem Studio BelAmi deutlich sichtbar in das Buch ein. Die Bildsprache ist geschliffen, stilisiert und auf Wirkung ausgelegt. Es geht nicht um den Alltag der Models, sondern um eine choreografierte Vision von Jugend, Freiheit und Körperlichkeit. Der ikonische BelAmi-Stil ist dabei stets spürbar – in der Lichtführung, der Bildkomposition und der nahezu makellosen Inszenierung.
„Boys from Budapest“ ist ein starkes Debüt, das mit konsequenter Ästhetik und klarer Haltung überzeugt. Als Serie bleibt es in sich geschlossen und stimmig. Luft nach oben gäbe es bei der Vielfalt der Models und bei ergänzenden Informationen zum Setting, etwa durch eine stärkere Einbindung von Text, städtischem Kontext oder biografischen Details.
Das ändert jedoch nichts am Gesamteindruck: Attila Kiss gelingt mit seinem Buch ein stilsicheres Porträt seiner Wahlheimat und ihrer schönen Burschen.














