Auf Anweisung der Cyberspace Administration of China (CAC) hat Apple die beiden bekanntesten schwulen Dating-Apps des Landes, Blued und Finka, aus dem chinesischen App Store gestrichen. Das hat das Unternehmen gegenüber dem Technikmagazin Wired bestätigt. Auch auf mehreren chinesischen Android-Plattformen sind die Apps inzwischen verschwunden.
„Wir folgen den Gesetzen in Ländern, in denen wir aktiv sind“, erklärte Apple in einem Statement. Beide Apps waren zuletzt nur noch in China erhältlich, nachdem sie zuvor bereits auf Druck der Behörden ihre internationale Verfügbarkeit eingeschränkt hatten.
Wachsende Einschränkungen für queere -Inhalte
Zwar hat China Homosexualität in den 1990er-Jahren entkriminalisiert. Dennoch bleibt das gesellschaftliche Klima restriktiv. Die Zensurbehörden gehen regelmäßig gegen queere Inhalte in sozialen Medien, auf Streaming-Plattformen und in Apps vor. Bereits 2022 wurde die Dating-App Grindr aus dem App Store entfernt.
Ein Beobachter der queeren Community sagte gegenüber Wired: „Das ist ein weiterer Schlag für die Sichtbarkeit und Sicherheit queerer Menschen in China.“ Seit Jahren kämpft die Szene gegen zunehmende Einschränkungen und den Druck der Behörden. Zuletzt wurde 2023 auch das „Beijing LGBT Center“ geschlossen.
Blued als Symbol einer Community unter Druck
Blued gilt als die bekannteste schwule Dating-App Chinas und hatte zuletzt eigenen Angaben zufolge rund 49 Millionen Nutzer weltweit. Im Sommer hatte die Plattform allerdings keine neuen Registrierungen mehr zugelassen, was zu einem Schwarzmarkt für Accounts führte – einige Nutzer zahlten bis zu 20 US-Dollar für Zugangsdaten. Mitte August öffnete Blued die Anmeldung erneut.
Die App gehört zur Firma BlueCity, die wiederum Teil des Unternehmens Newborn Town ist. BlueCity betreibt zudem eine Gesundheitsinitiative zur Prävention und Behandlung von HIV/AIDS. Die Sperrung von Finka, einer weiteren populären App aus demselben Unternehmensumfeld, zeigt laut Experten die zunehmende Härte der Behörden gegenüber queeren Plattformen.
Android-Stores ziehen nach
Neben Apple haben auch mehrere chinesische Android-App-Stores die beiden Programme entfernt. Da alle großen App-Plattformen in China staatlich reguliert oder direkt kontrolliert werden, ist dieser Schritt wenig überraschend. Google selbst ist im Land seit Jahren nicht mehr aktiv, nachdem das Unternehmen 2010 aufgrund staatlicher Zensurmaßnahmen den Betrieb eingestellt hatte.
Ein Tech-Analyst kommentierte: „Die Entfernung von Blued und Finka ist Teil eines größeren Musters. Internationale Firmen müssen sich in China immer stärker den staatlichen Vorgaben beugen, um auf dem Markt präsent zu bleiben.“
Kompromisse für den chinesischen Markt
Apple steht seit Langem in der Kritik, sich in China den staatlichen Regeln zu sehr anzupassen. Das Unternehmen betreibt dort nicht nur einen großen Teil seiner Produktion, sondern speichert auch die Daten chinesischer Nutzer auf Servern lokaler Partner, was den Behörden potenziell Zugriff ermöglicht.
In den vergangenen Jahren entfernte Apple auf Regierungsanordnung bereits zahlreiche Apps – von VPN-Diensten bis hin zu Anwendungen, die von Protestierenden in Hongkong genutzt wurden.
Der aktuelle Fall zeigt erneut, wie eng der Spielraum internationaler Tech-Konzerne in China geworden ist. Während Apple die Gesetze des Landes respektiert, zahlen die queeren Communities den Preis: den Verlust ihrer digitalen Treffpunkte und ihrer Sichtbarkeit im Netz.

