Wenige Monate vor dem Eurovision Song Contest 2026 in Wien setzen sich der ORF und der israelische Sender Kan für eine Teilnahme Israels ein. Bei einem Besuch in Jerusalem unterstrich ORF-Generaldirektor Roland Weißmann Österreichs historische Verantwortung und betonte die Bedeutung Israels für den Wettbewerb.
Weißmann reist zum Gedenken an Novemberpogrome nach Israel
Der ORF-Generaldirektor reiste am vergangenen Wochenende nach Jerusalem. Anlass war das Gedenken an die Novemberpogrome von 1938.
Während seines Aufenthalts traf Weißmann gemeinsam mit Vertreter:innen des öffentlich-rechtlichen israelischen Senders Kan den israelischen Präsidenten Jizchak Herzog. Dabei ging es unter anderem um den Eurovision Song Contest, der im Mai 2026 in Wien stattfinden wird.
„Der Song Contest feiert nächstes Jahr sein 70-jähriges Jubiläum, und Israel ist ein integraler Bestandteil davon“, sagte Weißmann in Jerusalem. Auch Kan-Geschäftsführer Golan Yochpaz stellte klar: „Es gibt keine Rechtfertigung für den Ausschluss Israels. Kan hält sich stets an alle EBU-Regeln und wird das auch in Zukunft tun.“
EBU-Entscheidung am 5. Dezember erwartet
Die Europäische Rundfunkunion (EBU), Veranstalterin des Song Contests, wird am 5. Dezember über neue Statuten abstimmen. Sollten diese angenommen werden, wäre Israels Teilnahme automatisch gesichert. Bei einer Ablehnung müsste die EBU gesondert über eine Teilnahme oder einen möglichen Ausschluss abstimmen.
Laut ORF und Kan bleibt bis dahin Zeit, um „alle von der Teilnahme Kans zu überzeugen”. In einer gemeinsamen Erklärung der beiden Sender hieß es weiter: „Wir stehen für die Werte der Eurovision – Vielfalt, Offenheit und Austausch.“ Weißmann hatte sich schon zuvor klar für eine Teilnahme Israels ausgesprochen – und bekommt dafür auch Unterstützung von der österreichischen Politik.
Internationale Kritik an israelischer Teilnahme
Die Diskussion um Israels Teilnahme wurde zuletzt durch kritische Stimmen aus mehreren Ländern angeheizt. Unter anderem hatten die Rundfunkanstalten aus Spanien, Irland und den Niederlanden Bedenken hinsichtlich eines Startplatzes Israels beim Wettbewerb geäußert und mit einem Boykott gedroht.
Im Gespräch mit Weißmann betonte Präsident Herzog, wie wichtig es sei, den Sender Kan als unabhängige öffentlich-rechtliche Stimme in Israel zu bewahren. Auch der ORF verwies auf Österreichs historische Verantwortung und die Bedeutung eines inklusiven Song Contests.
70 Jahre Eurovision: Symbolkraft in Wien
Der Eurovision Song Contest 2026 markiert das 70-jährige Bestehen des Wettbewerbs. Der ursprünglich zur Versöhnung im Nachkriegseuropa gegründete Wettbewerb steht seit jeher für kulturellen Austausch – auch über Europas Grenzen hinaus. Israel nimmt seit 1973 am Wettbewerb teil und konnte ihn bisher viermal gewinnen.
Die Entscheidung über eine erneute Teilnahme Israels wird mit Spannung erwartet. Bis dahin arbeiten der ORF und Kan daran, Unterstützung innerhalb der EBU zu mobilisieren.

