HomeNewsChronikZu männlich: Bostoner Luxushotel wirft lesbisches Paar aus Damen-WC

Zu männlich: Bostoner Luxushotel wirft lesbisches Paar aus Damen-WC

Ein lesbisches Paar wurde in einem Luxushotel in Boston fälschlich für ein Hetero-Paar gehalten und aus der Damentoilette eskortiert. Nach öffentlicher Kritik und einer offiziellen Beschwerde hat das Hotel nun Konsequenzen gezogen.

Ein Vorfall im Liberty Hotel in Boston hat für Schlagzeilen gesorgt: Während einer Veranstaltung am 3. Mai wurden ein lesbisches Paar von einem Sicherheitsmitarbeiter des Hotels aus der Damentoilette verwiesen. Der Grund: Eine der Frauen sei „ein Mann“.

Inzwischen hat das Hotel seine Darstellung des Geschehens grundlegend geändert, sich offiziell entschuldigt und einen Vergleich mit der Antidiskriminierungsbehörde des Bundesstaates Massachusetts geschlossen. Eine Klage der Betroffenen steht dennoch im Raum.

Sicherheitsmann dringt in Damen-WC ein

Ansley Baker, die betroffene Frau, schilderte, dass sie sich gerade fertig anziehen wollte, als plötzlich jemand laut an die Tür der Kabine klopfte. Ein Sicherheitsmann des Hotels forderte sie auf, die Toilette zu verlassen. „Er sagte, ich sei ein Mann. Ich antwortete: ‚Ich bin eine Frau.‘“, berichtete Baker.

Ihre Partnerin Liz Victor wartete im Bereich des Waschbeckens und hörte den Tumult. Während Baker aus dem Waschraum eskortiert wurde, riefen andere weibliche Gäste Beleidigungen wie „Perversling“ und forderten, dass sie den Ort verlassen solle.

Anschließend verlangte der Sicherheitsmann die Ausweise der beiden Frauen. Obwohl Bakers Ausweis sie eindeutig als Frau auswies, mussten sie die Veranstaltung verlassen.

Erst Vorwürfe, dann Rückzieher

In einem ersten Statement behauptete das Hotel, mehrere Frauen hätten gemeldet, dass sich zwei Personen eine Toilettenkabine geteilt hätten, was einen Verstoß gegen die Hausordnung darstelle. Zudem sei es zu einem körperlichen Angriff auf das Sicherheitspersonal gekommen. 

Diese Vorwürfe wiesen Baker und Victor entschieden zurück. „Wenn er die Tür geöffnet hat und nur eine Person darin war, dann hätte das Thema erledigt sein müssen“, sagte Victor gegenüber den Medien.

Die öffentliche Kritik ließ nicht lange auf sich warten. Insbesondere in den sozialen Netzwerken erntete das Hotel scharfe Reaktionen. Daraufhin wurde der beteiligte Sicherheitsmitarbeiter zunächst suspendiert und schließlich entlassen.

Antidiskriminierungsbehörde greift ein

Die Massachusetts Commission Against Discrimination (MCAD) schaltete sich ein und kam zu dem Schluss, dass es sich um Diskriminierung aufgrund von Geschlechtsstereotypen, sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität gehandelt habe.

Im Rahmen einer Einigung verpflichtete sich das Liberty Hotel, 10.000 US-Dollar an eine LGBTI-Organisation zu spenden, seine Antidiskriminierungsrichtlinien zu überarbeiten und die Mitarbeiterschulungen auszuweiten. Zusätzlich muss das Liberty Hotel nun deutlich sichtbare Hinweise auf seine Antidiskriminierungspolitik anbringen.

„Diese zwei Frauen wurden öffentlich gedemütigt, ihnen wurden Dienstleistungen verweigert und sie wurden zu Unrecht beschuldigt – das verstößt klar gegen unser Landesrecht“, erklärte die Vorsitzende der MCAD, Sunila Thomas George.

Hotel gesteht Fehler ein

In einer öffentlichen Stellungnahme entschuldigte sich Hotelmanager Mark Fischer direkt bei Baker und Victor: „Wir bedauern zutiefst, dass unsere erste Stellungnahme möglicherweise ein falsches Bild von Ansley und Liz gezeichnet hat. Das war nicht unsere Absicht.“ Er betonte, dass das Hotel aus dem Vorfall lernen wolle und alles daran setzen werde, vergleichbare Situationen künftig zu vermeiden.

Auch ein internes Training zur Sensibilisierung für inklusive Gästebetreuung wurde angekündigt. In der offiziellen Mitteilung hieß es zudem: „Das Liberty Hotel wird auch weiterhin ein Ort sein, an dem sich alle willkommen und sicher fühlen können.“

Zivilklage in Vorbereitung

Trotz der Einigung mit der Antidiskriminierungsstelle planen Baker und Victor, eine Zivilklage gegen das Hotel einzureichen. Ihr Anwalt Lenny Kesten kündigte an, das Hotel wegen „falscher Aussagen“ rechtlich zur Verantwortung zu ziehen. „Das Hotel hat wiederholt gelogen. Es hat meine Mandantinnen verleumdet, um das Verhalten seines Sicherheitsmitarbeiters zu vertuschen“, so Kesten.

Die beiden Frauen erklärten dem Sender WBZ-TV gegenüber, dass sie mit der Klage ein Zeichen setzen wollen, um ähnliche Vorfälle in Zukunft zu verhindern. Victor sagte: „Wir sind jetzt in der Position, Verantwortung einzufordern – und hoffentlich etwas zu bewegen.“

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