In der Gratiszeitung Heute wirft „Waltraud“ dem bekannten Wiener Anwalt Helmut Graupner vor, ihren Ruf geschädigt zu haben. Graupner sagte im Ö1-Mittagsjournal, sie habe ein „gefälschtes Gutachten“ verwendet, sich „mit kriminellen Methoden“ den weiblichen Geschlechtseintrag erschlichen und werde „vor dem Strafrichter landen“. „Waltraud“ verlangt nun eine einstweilige Verfügung, die solche Aussagen künftig untersagen soll.
Vorwurf: Öffentliche Vorverurteilung
Der Anwalt von „Waltraud“ argumentiert, Graupner habe seine Mandantin wie eine bereits überführte Täterin dargestellt, obwohl kein Schuldspruch vorliegt. Durch die mediale Reichweite des ORF und Graupners Position als Präsident mehrerer Menschenrechtsorganisationen hätten seine Aussagen besonderes Gewicht. Das Publikum nehme seine Formulierungen als fachliche Feststellungen wahr, so „Waltraud“.
Die Erfolgschancen einer solchen Klage sind nur schwer abzuschätzen. Graupner selbst hat sich zu den Vorwürfen bis jetzt nicht geäußert.
Nicht nur in der trans Community sieht man diesen Schritt kritisch. Denn mit jedem öffentlichen Auftritt heizt „Waltraud“ die Debatte weiter an – und riskiert damit Schaden für trans Personen. Die Befürchtung besteht, dass sie die mediale Aufmerksamkeit sucht und durch solche Inszenierungen bestehende Vorurteile weiter verstärken will.
Ermittlungen wegen Gutachten und Pension
Parallel zur Klage von „Waltraud“ laufen weiterhin mehrere Verfahren – allerdings gegen sie. Das Bundeskriminalamt ermittelt wegen Sozialleistungsbetrugs. Das Innenministerium hat den Magistrat Wien beauftragt, das psychiatrische Gutachten, das Grundlage der Geschlechtsanpassung war, zu prüfen. Im Raum steht der Verdacht eines Gefälligkeitsgutachtens.
„Waltraud“ war früher Betreiber(in) eines Stundenhotels und wurde wegen Betrugs verurteilt. Zudem dokumentierte das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW) enge Kontakte zu rechtsextremen Aktivisten in den 1980er-Jahren.
In Interviews erklärte „Waltraud“ selbst, sie habe die Geschlechtsänderung beantragt, um „die Justiz zu ärgern“ und im Frauengefängnis untergebracht zu werden. Dies löste die aktuellen Ermittlungen aus.

