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[Galerie] Ohm Phanphiroj und das Begehren nach dem Unerreichbaren

Der thailändische Fotograf porträtiert in seinem neuen Bildband elf heterosexuelle Männer in einem intimen Setting – mit einem queeren Blick voller Ambivalenz und Poesie

In seinem neuen Werk „Desire – Straight Men in My Bedroom“ lenkt der thailändische Fotograf Ohm Phanphiroj den Fokus auf eine spannungsgeladene Konstellation: Ein queerer Mann porträtiert heterosexuelle Freunde in seinem eigenen Schlafzimmer. Entstanden ist ein Bildband, der sich zwischen Nähe und Distanz, zwischen Intimität und Zurückhaltung bewegt.

Zwischen Licht und Begehren

Phanphiroj setzt seine Modelle nicht nur nackt, sondern auch stilisiert in Szene. Er arbeitet mit gezieltem Lichteinsatz, lässt Schatten über die Hautflächen wandern und erzeugt so einen visuell eindrucksvollen Kontrast aus Direktheit und Zurückhaltung. Die Körper werden nicht einfach gezeigt, sondern mit Atmosphäre und Tiefe versehen. Der Verlag schreibt im Klappentext von einem „Spiel von Licht auf verführerischen Körpern“ – ein Spiel, das Phanphiroj meisterhaft beherrscht.

Die Inszenierungen wirken oft träumerisch, gelegentlich sogar entrückt. Dabei bleibt der fotografische Blick nie rein dokumentarisch. Vielmehr spiegelt er eine innere Auseinandersetzung mit Begehren und Männlichkeit sowie mit der eigenen Position als außenstehender Beobachter wider.

Ein queerer Blick auf Hetero-Männlichkeit

Die elf porträtierten Männer stammen aus Europa und den USA und definieren sich selbst als heterosexuell. Gerade dieser Umstand ist für Phanphiroj zentral: Ihm geht es nicht nur um das Abbilden männlicher Körper, sondern um das Begehren nach etwas, das nicht erwidert wird – oder nicht erwidert werden kann.

In seinem begleitenden Künstlertext schreibt er offen: „Ich fotografiere Heteromänner, weil sie die fehlenden Puzzleteile in meinem Leben sind – etwas, das ich nie dauerhaft haben, nie wirklich besitzen und nie sein kann.“

Der Spannungsbogen zwischen Anziehung und Unerreichbarkeit durchzieht das gesamte Projekt. Die Grenzen zwischen Fotograf und Modell, zwischen Beobachter und Objekt verschwimmen dabei, ohne sich je ganz aufzulösen. Genau diese Unschärfe verleiht dem Band seine besondere Intensität.

Inszenierte Intimität und stille Distanz

Trotz der intimen Kulisse, dem eigenen Schlafzimmer, wirkt „Desire“ nicht voyeuristisch oder übergriffig. Die Bildsprache bleibt respektvoll und die Kompositionen wirken durchdacht. So entsteht eine Art einvernehmliche, visuelle Begegnung auf Zeit. Nähe entsteht, jedoch immer unter Vorbehalt.

In seinem Statement beschreibt Phanphiroj diese Ambivalenz mit poetischen Worten: „Ich sehne mich nach Liebe, traue mich aber nicht, sie zuzulassen. Also betrachte ich sie nur – still und aus der Ferne.“

Diese Zurückhaltung prägt auch die Bildsprache: Was in einem anderen Kontext provokativ wirken könnte, bleibt bei Phanphiroj Teil eines stillen Dialogs über Einsamkeit, Vergänglichkeit und Sehnsucht.

Stärke in der Ambivalenz – aber wenig Kontext

„Desire“ überzeugt visuell durch eine hochwertige Produktion: großformatige Drucke, stimmige Lichtführung und einen ruhigen, aber intensiven Bildfluss. Inhaltlich bleibt der Band bewusst offen: Es gibt kaum erläuternde Texte oder Interviews mit den Porträtierten. Das erzeugt Spielraum für Interpretation, lässt aber auch viele Fragen unbeantwortet. Wie erleben die Modelle selbst diese Konstellation? Was bedeutet es für sie, Teil eines solchen Projekts zu sein?

Auch die Auswahl der Männer – alle sind jung, heterosexuell und stammen aus westlichen Kulturräumen – wirkt in ihrer Homogenität etwas eingeschränkt. Ein breiteres Spektrum an Körpern, Hintergründen oder geografischen Perspektiven hätte die Wirkung des Buches verstärken können.

Zwischen Dokumentation und Poesie

Mit „Desire“ verfolgt Ohm Phanphiroj keinen klassischen dokumentarischen Ansatz. Das Buch ist vielmehr ein persönliches Projekt, ein visuelles Tagebuch des Begehrens, das wirken will, ohne sich erklären zu müssen. Seine Bilder erzählen von nicht wiederkehrenden Momenten, von alternen Körpern und von unausgesprochenen Sehnsüchten.

„Ich mache sie im Gegenzug unsterblich“, sagt Phanphiroj über seine Modelle. „Ich fange ihre Schönheit mit meinem Objektiv ein, bevor die Zeit sie auslöscht.“

Mit dieser Haltung ist ihm ein Werk gelungen, das weit über erotische Fotografie hinausgeht. „Desire“ ist eine stille Auseinandersetzung mit dem, was uns anzieht, obwohl – oder gerade weil – es unerreichbar bleibt.

Buchtipp
Ohm Phanphiroj
Desire: Straight Men in My Bedroom
Bildband | 176 Seiten | Salzgeber
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